Schreiben des Essays zur Lieblingsaufgabe machen

In der akademischen Welt ist das Essay eine der beliebtesten Textarten. Es zielt darauf ab, den Kerngedanken eines Textes oder Themas in seinen wichtigsten Teilen herauszustellen und einer Stellungnahme auszusetzen. Diese Stellungnahme kann sowohl ein neutraler Vergleich sein als auch eine kritische Herausforderung der Thesen, die in dem Ausgangs-Text verteidigt werden. Dabei fließt die eigene Meinung zu der Vorgehensweise eines Autors, ein Problem zu behandeln oder zu den beobachteten Sachverhalten mit in den Aufsatz ein.

Gerne wird es genutzt, um Studenten in Seminaren und Vorlesungen die Möglichkeit zu geben, sich intensiver mit einem Aspekt aus einem Themengebiet zu beschäftigen. Dabei gibt diese Textart den Lernenden die Freiheit, selber über den behandelten Sachverhalt nachzudenken, sich auf Äußerungen des Autors zu beziehen und dadurch einen Zugang in den Diskurs zu finden. Die persönliche Auseinandersetzung ist dabei das tragende Element des schulenden Effektes. Diese Facette hebt das Essay von einer bloßen Zusammenfassung ab, die sich ja lediglich auf die Rekonstruktion eines Inhalts fokussiert. Das ist allerdings nur eine Teilaufgabe eines Essays. Die Seite Dictionary.com definiert das Essay unter anderem so: „a short literary composition on a particular theme or subject, usually in prose and generally analytic, speculative or interpretative“. Aber wie schreiben Sie einen solchen Text?

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Einen Anfang machen

An erster Stelle des Entstehungsprozesses eines Essays steht das Interesse an einem Thema oder konkreten Text. Grundsätzlich kann man ein Essay über jeden beliebigen Gegenstand verfassen. Ist der Text, der behandelt werden soll gefunden, so können Sie mit einem ersten Lesedurchgang den Text auf einer oberflächlichen Ebene kennenlernen. Sie reduzieren hier am besten die Tätigkeiten auf das bloße Lesen. Das vermeidet, beim ersten Kontakt mit den Gedanken des Autors, aus dem Fluss zu kommen; sowohl semantisch als auch was das Lesen selber betrifft. Ist der Text durchgelesen, können Sie nun ein kleines – wenn Sie so wollen – memory sheet erstellen. Auf dieses werden alle Gedanken und Assoziationen, die Sie durch den ersten Eindruck bekommen haben, wild und ungeordnet niedergeschrieben.

Es gilt auch hier, sich nicht zu sehr mit spezifischen Textelementen auseinanderzusetzen. Argumente, Thesen und Prämissen sollten notiert werden, wenn sie einem assoziativ in den Kopf kommen, wenn Sie über den Text nachdenken. Die Fragen und Unklares sollten hier festgehalten werden. Nach diesem Brainstorming ist es sinnvoll, – nach einer kleinen Pause – direkt in den zweiten Lesedurchgang zu starten. Diesmal sollten Sie sich bewaffnen.

Essay: der zweite Schritt

Bewaffnen heißt hier, sich mit Stiften in mindestens drei verschiedenen Farben auszurüsten. Mehr wäre besser, ist jedoch nicht unbedingt immer notwendig. Die verschieden farbigen Stifte dienen der besseren Orientierung in den Unterstreichungen, die in diesem zweiten Lesedurchgang gemacht werden sollten. Das Minimum sollte sein, Prämissen, Thesen und Argumente zu markieren, die der Autor für seinen Argumentationsgang glaubte zu brauchen. Darüber hinaus ist es von Vorteil, wenn Sie sich die Übergänge von der Einleitung zum Hauptteil und vom Hauptteil zum Fazit oder der Zusammenfassung markieren. Das hebt den Argumentationsgang zusätzlich von der Vor- und Nachbereitung ab. Dinge, die es ebenfalls Wert sind, unterstrichen zu werden, sind:

  • Fehler, die der Autor in seiner Argumentation macht bzw. Dinge, die nicht sinnvoll erscheinen,
  • sie sind nachvollziehbar,
  • sie sind unverständlich.

Rekapitulation und Exzerption

Ist dieser zweite Lesedurchgang geschafft, sollten Sie sich wieder das memory sheet zur Hand nehmen und anfangen, die Notizen, die Sie sich nach dem ersten Lesedurchgang gemacht haben, zu kommentieren. Nach der letzten Lesephase sind Sie sicherer, was den Inhalt und seine Verständlichkeit anbelangt. Deshalb kann man nun Probleme aus der Welt schaffen, die man vorher noch auf das memory sheet geschrieben hat und eventuell falsch verstandene Gedankengänge des Autors ausbessern. Diese problemlösende Rekapitulation führt zu dem vorletzten Schritt vor dem Beginn der Textproduktion.

Beginnend mit der Einleitung des Textes sollte nun alles Wichtige – vor allem die Dinge, die Unterstrichen wurden – Stichpunktartig in ein Exzerpt überführt werden. Bei der Entwicklung des Exzerptes gilt es, den Text auf ein möglichst dichtes Schema einzudampfen. Idealerweise orientiert es sich am Aufbau des Textes. Wie gesagt, beginnend bei der Einleitung sollten anschließend die Prämissen, Thesen und Argumente strukturiert aufgelistet werden. Mit dem Fazit bzw. der Zusammenfassung des Autors wird geendet. Ist das geschafft, folgt eine weitere Kommentierung. Hier wird jetzt das in das Exzerpt eingefügt, was später den verfassten Fließtext zu einem Essay macht.

Eine Argumentation kommentieren

Wenn das Essay den Anspruch hat, als wissenschaftlicher Text zu gelten, sollten Sie eine einheitliche Zitierweise und eine angemessene Sprache verwenden.  Die Kommentare zu dem Vorgehen des Verfassers jedenfalls, sollten die folgenden Merkmale aufweisen, um eine gute Lesbarkeit des Textes zu gewährleisten und eine hohe Qualität sicherzustellen:

  • Nehmen Sie kritisch Stellung, beleidigen aber nicht
  • Sie sind innerhalb des Mikrokosmos des Textes nachvollziehbar und beziehen sich nicht zu stark auf Argumentations-Strukturen, die nicht aus dem Text hervorgehen
  • Sie können überzeugend begründet werden

Die Textproduktion

Mit der Beendigung der Kommentierung können Sie mit der Textproduktion beginnen. Das geschieht mittels des Exzerptes. Hier soll nun aber nicht die Argumentation des Autors einfach wiederaufbereitet werden und es soll hier nur in kleinem Umfang rekonstruiert werden. Ausführlicher dagegen sollten die eigenen Kommentare, Verbesserungsvorschläge und Begründungen dieser beiden sein.

Wovon hängt die Qualität des Essays? Sie hängt sehr stark von der Fähigkeit, seine Bemerkungen stichhaltig begründen zu können. Ist der eigene Argumentationsgang kohärent, ist das ein zuverlässiger Indikator für eine korrekte Arbeitsweise, ein gutes Verständnis des Textes und die eigene Fachkompetenz. Die Struktur des Textes sollte sich an einer simplen Dreiteilung orientieren. Das sind Einleitung, Hauptteil und Schluss (Fazit/Zusammenfassung). Wahrscheinlich hat der bearbeitete Text dieselbe Struktur. Weshalb Sie sich immer gut an den Ausgangstext halten können, was die Proportionen der einzelnen Abschnitte betrifft.

Weiteres aber keineswegs Nebensächliches

Möchten Sie in dem Essay zitieren – und das ist zu empfehlen, wenn der Leser es als wissenschaftliche Arbeit anerkennen soll –, sollten Sie auf jeden Fall eine einheitliche Zitierweise nutzen. Es kann nützlich sein, Quellen wie Sekundärliteratur zur Bearbeitung hinzuzuziehen. Zum Beispiel zur Begründung einer Anmerkung. Dann sollte diese ebenfalls vollständig (im Text oder der Fußzeile) angegeben werden. Der sprachliche Rahmen ist durch das jeweilige Fach festgelegt.

Fachspezifische Begriffe sind immer hilfreich, zeigen außerdem, dass Sie es verstehen, auf akademischem Niveau zu kommunizieren und präzisieren darüber hinaus die Äußerungen. Das Essay sollte nicht vor Fachtermini platzen. Sie gezielt einzusetzen kann mehr überzeugen als ein aufgeblasener Text, der nur aus Fremdwörtern besteht. Man soll in einer wissenschaftlichen Arbeit nicht umgangs- und alltagssprachlich schreiben. Dabei sind Sie nicht verpflichtet kantische Sätze zu bilden, die sich verschachtelt über eine halbe Seite erstrecken. Es kommt auf Prägnanz an und die Fähigkeit, Worte zielgerichtet einzusetzen. Kurze Sätze zeigen, dass Sie es verstehen, eine Fragestellung oder ein Problem in einfachen Worten und ohne Ausschweife zu behandeln.

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