Die gefragtesten Studiengänge: Wie sind die Entwicklungen und Tendenzen

Jedes Jahr stellt sich tausenden Abiturienten die drängende Frage nach der eigenen Zukunft. Was soll ich machen? Studieren? Eine Ausbildung? Leider ist die Wahl mit dieser Frage nicht abgeschlossen. Der schwierigste Teil besteht darin, sich für einen der unzähligen angebotenen Studiengänge zu entscheiden. Anders als bei der Wahl der zu besuchenden Schule handelt es sich hierbei nicht um eine Frage, deren Beantwortung relativ simpel und bedeutungslos ist – der gewählte Studiengang beeinflusst die Zukunft des Studenten maßgeblich. Aus dieser Tatsache heraus ergibt sich ein enormer Druck, der für viele Abiturienten zumindest unangenehm ist – einige empfinden ihn als derart quälend, dass sie geneigt sie die Entscheidung immer wieder hinauszuzögern.

Im Gegensatz zu früheren Jahrzehnten treffen die Schulabgänger ihre Studienwahl heute in aller Regel vollkommen selbstständig. Die Eltern stehen zwar als Ratgeber zur Seite, nehmen dem Abiturienten die Entscheidung nicht ab. In Kombination mit den schier unbegrenzten Studienmöglichkeiten sorgt dies für eine enorme Wahlmöglichkeit – und für die Schwierigkeit, sich festzulegen. Nachfolgend soll betrachtet werden, welche Studiengänge aus welchen Gründen beliebt sind. Zudem werden die sich abzeichnenden Entwicklungen hinsichtlich der Studienwahl dargelegt.

studiengänge

Klassische vs. moderne Studiengänge

Insgesamt ist zu beobachten, dass die „klassischen“ Studiengänge bei angehenden Studenten nach wie vor enorm beliebt sind – Jura, Medizin und BWL scheinen eine sichere Wahl zu sein und liegen in der Gunst der Studenten daher weit oben. Hier ist in den letzten Jahrzehnten also keinerlei Veränderung zu beobachten.

Im Trend liegen „moderne Studiengänge“, die sich vorwiegend mit Technik oder Medien befassen. Viele Studenten hegen den recht vagen Wunsch, „etwas mit Medien“ zu studieren. Aus dieser allgemeinen Mode heraus lässt sich der Aufstieg von Studiengängen wie „Angewandte Medienwissenschaften“, „Medienmanagement“, „Medien- und Kommunikationswissenschaft“ etc. erklären.

Neben diesen Studienwahlen, die jeder Laie recht leicht hätte erahnen können, ist zu beobachten, dass viele Studenten heute im sozialen Bereich tätigen werden wollen. Der Studiengang „Soziale Arbeit“ und fachverwandte Studiengänge erfreuen sich daher einer großen Beliebtheit.

Die 10 beliebtesten Studiengänge in Deutschland

Das folgende Ranking listet die zehn beliebtesten Studiengänge in Deutschland in absteigender Reihenfolge auf:

Bei Männern:

  1. BWL
  2. Maschinenbau
  3. Informatik
  4. Elektrotechnik
  5. Jura
  6. Wirtschaftsingenieurwesen
  7. Wirtschaftswissenschaften
  8. Medizin
  9. Wirtschaftsinformatik
  10. Physik

Bei Frauen:

  1. BWL
  2. Germanistik
  3. Medizin
  4. Jura
  5. Pädagogik
  6. Anglistik
  7. Biologie
  8. Wirtschaftswissenschaften
  9. Psychologie
  10. Mathematik

Es lässt sich zweifelsfrei erkennen, dass die „klassischen“ Studiengänge sowohl bei Männern, als auch bei Frauen beliebt sind. Trotz der Trends hin zu Medienstudiengängen und anderen „Kreativstudien“ findet sich kein einziger solcher Studiengang in den Top Ten. Die Studenten in Deutschland scheinen also nach wie vor recht stark auf Sicherheit bedacht zu sein, was sich in der Studienwahl ausdrückt.

Zwischen Männern und Frauen sind zudem einige Unterschiede festzustellen: Männer neigen weitaus eher dazu, technische Studiengänge aufzunehmen als Frauen. Frauen sind dafür eher in den Bereichen der Germanistik und der Pädagogik anzutreffen. Bei beiden Geschlechtern zählen die „klassischen Studiengänge“ zu den beliebtesten.

Eine Entwicklung, die von einigen Experten vermutet wurde, jedoch bis heute nicht in Gang kommen ist, ist der Aufwind „zukunftsorientier Studiengänge“. Hierzu sind beispielsweise Studiengänge zu zählen, die sich mit erneuerbaren Energien, High-Tech welcher Art auch immer und ähnlichem befassen. Im weiteren Sinne können die Studiengänge Informatik und Elektrotechnik zu diesem Bereich gezählt werden. Weiterhin kann beobachtet werden, dass immer mehr „Querschnittsstudiengänge“ entstehen. Ein Beispiel hierfür ist der Studiengang „Wirtschaftsingenieurwesen“ – es werden die Inhalte zweier mehr oder minder benachbarter Disziplinen gelehrt.

Studiengänge, die auf dem Arbeitsmarkt gefragt sind

Immer wieder werden Prognosen abgegeben, die mehr oder weniger genau aussagen sollen, welche Abschlüsse auf dem Arbeitsmarkt in x Jahren gefragt sein werden. Derartige Prognosen können selten seriös ausgegeben werden. Einzig und alleine ein sich abzeichnender Mangel in bestimmten Branchen kann „vorausgesehen“ werden. Prinzipiell gilt zwar, dass praxisferne Fächer, die die Absolventen nicht für einen bestimmten Bereich qualifizieren, auf dem Arbeitsmarkt weniger gefragt sind – dies bedeutet nicht, dass die Arbeitgeber keinen Absolventen eines Philosophiestudiums oder ähnlichem einstellen werden. Es bedeutet viel mehr, dass sich kaum Ausschreibungen finden werden, in denen explizit ein Philosoph gesucht wird. Absolventen derart praxisferner Studiengänge sollten sich also darauf einstellen, sich auf Stellen bewerben zu müssen, die nicht explizit einen Abschluss in ihrem Fach erfordern. Aus diesem Grund müssen diese Menschen sich selbst gut „verkaufen“ können. Hieraus ergeben sich auch Chancen, da der Absolvent nicht auf einen bestimmten Beruf oder eine bestimmte Branche festgelegt ist.

Mit klaren Qualifikationen haben Sie bessere Karrierechancen

Es lässt sich festhalten, dass der Berufseinstieg mit den genannten, klassischen Studiengängen in der Regel einfach gelingt als mit seltenen oder praxisfernen Studiengängen. Nichtsdestotrotz kann auch mit diesen eine Karriere begonnen werden. Darüber hinaus kann auch ein Berufseinstieg mit den heute als sicher geltenden Studiengängen unter Umständen schwierig werden – der Berufseinstieg erfolgt frühestens drei Jahre nach Studienbeginn. Aufgrund der Beliebtheit der scheinbar sicheren Studiengänge, produzieren diese jedes Semester zahlreiche Absolventen.  Wer seine Studienwahl dennoch auf derartige Prognosen aufbauen möchte, sollte sich an Studiengänge halten, die zu einem bestimmten Beruf führen.

Momentan auf dem Arbeitsmarkt sind vor allem Mediziner und Lehrer besonders gefragt, da sich in diesen Berufen ein Mangel abzeichnet, der mit dem derzeit neuausgebildeten Personal vermutlich nicht gedeckt werden kann. Wie bereits gesagt unterliegen derartige Prognosen starken Schwankungen – sie können sich durch unvorhergesehene Ereignisse innerhalb kürzerer Zeit ändern.

Wonach der Arbeitsmarkt verlangt

Der Arbeitsmarkt verlangt vor allem nach gut ausgebildeten Fachkräften. Dies gilt für alle Branchen und Bereiche. In jeder dieser Branchen werden jährlich Mitarbeiter in den Ruhestand verabschiedet, die ersetzt werden müssen. Selbstverständlich lassen sich auch hier Differenzierungen treffen: Im Bereich der Technik und der Medizin findet beinahe jeder Absolvent direkt im Anschluss an sein Studium eine Stelle. Die „MINT“-Fächer sind auf dem Arbeitsmarkt nach wie vor gefragt. Entgegen der Prognosen der letzten Jahre und Jahrzehnte studieren Geisteswissenschaftler jedoch nicht per se für den Taxischein. Diese werden mehr Aufwand betreiben müssen, um eine adäquate Stelle zu finden und werden vermutlich Zusatzqualifikationen nachweisen müssen. Es ist mit diesen Studiengängen möglich, angemessene Stelle zu finden.

Wer technisches oder naturwissenschaftliches Interesse vorweisen kann, an einer sicheren Karriere interessiert ist und sich nicht auf befristete Arbeitsverhältnisse verlassen will, ist mit einem MINT-Studium auf der sicheren Seite. Absolute Sicherheit kann selbstverständlich nie garantiert werden.

Finden Sie Ihr Lieblingsfach

Insgesamt lässt sich festhalten, dass vermeintlich sichere, klassische Studiengänge von den Studenten und Studieninteressenten sehr gefragt sind. Von Seiten der Arbeitgeber besteht allgemein ein Bedarf nach Fachkräften. Im Bereich der Medizin und der Pflege zeichnet sich ein starker Fachkräftemangel aus. In einigen Bundesländern gilt dies auch für den Bildungsbereich. Prinzipiell werden vorwiegend Absolventen klassischer Studiengänge gesucht – diese führen zu einer klaren Qualifikation, die auf dem Arbeitsmarkt bekannt ist und von den Arbeitgebern geschätzt wird. Dennoch haben auch Absolventen eher außergewöhnlicher Studiengänge gute Berufsaussichten, wenn sie ihre Qualifikation überzeugend darlegen können.

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