Abschlussarbeiten wie Masterarbeiten oder Dissertationen sind wertvolle Informationsquellen. Sie behandeln oft hochaktuelle Themen, zu denen es noch keine etablierten Fachbücher gibt. Zudem bieten sie dir umfangreiche Literaturverzeichnisse, die du für deine eigene Recherche nutzen kannst.
Damit du eine Masterarbeit bedenkenlos in deiner Hausarbeit oder Thesis verwenden darfst, müssen jedoch bestimmte Kriterien erfüllt sein. Die Arbeit muss für deine Prüfer auffindbar sein, eine klare Urheberschaft besitzen und einen wissenschaftlichen Qualitätsstandard aufweisen. Im Folgenden schauen wir uns genau an, wann eine Masterarbeit diese Kriterien erfüllt und wie du sie technisch korrekt in deinen Text einbaust.
Inhaltsverzeichnis
Darf man eine Masterarbeit überhaupt zitieren?
Ja, du darfst Masterarbeiten zitieren, sofern sie offiziell veröffentlicht wurden oder über eine Bibliothek öffentlich zugänglich sind. Sie gelten im akademischen Kontext jedoch als sogenannte graue Literatur.
Deswegen musst du dabei jedoch den Unterschied zwischen klassischer Fachliteratur und grauer Literatur verstehen. Fachliteratur, wie Artikel in wissenschaftlichen Journalen, durchläuft vor der Veröffentlichung einen strengen Prüfprozess durch andere Experten (Peer-Review). Graue Literatur wird hingegen nicht von kommerziellen Wissenschaftsverlagen publiziert.
Masterarbeiten fallen genau in diese Kategorie der grauen Literatur. Sie wurden zwar von Dozenten bewertet, aber nicht durch unabhängige externe Gutachter validiert.
Kurzer Hinweis
Manche Lehrstühle verbieten das Zitieren von grauer Literatur komplett. Prüfe immer zuerst die formalen Richtlinien deines Instituts in deinem Modulhandbuch.
Die wichtigste Grundbedingung für die Verwendung ist die Nachvollziehbarkeit. Deine Dozenten müssen in der Lage sein, deine Quelle mit wenigen Klicks oder einem Bibliotheksbesuch selbst einzusehen. Ist das nicht möglich, darfst du die Quelle nicht verwenden.
Diese Masterarbeiten sind zitierfähig
Eine Masterarbeit ist dann zitierfähig, wenn sie den Anspruch der öffentlichen Zugänglichkeit erfüllt. Du musst sicherstellen, dass die Arbeit nicht nur ein privates Dokument auf dem Laptop eines Studenten ist. Achte auf folgende zulässige Merkmale, bevor du die Quelle in deine Arbeit aufnimmst:
- Veröffentlichung im Verlag: die Arbeit wurde nachträglich als Buch publiziert (z.B. bei Verlagen wie Springer oder GRIN) und besitzt eine offizielle ISBN.
- Universitäres Repositorium: die Arbeit liegt digital auf dem offiziellen Publikationsserver der Universität (z.B. OPUS) und ist mit einer festen URL oder einem DOI (Digital Object Identifier) verknüpft.
- Universitätsbibliothek: die gedruckte Version der Arbeit ist offiziell im Katalog der Universitätsbibliothek indexiert und ausleihbar.
Sobald eine Arbeit offiziell publiziert oder archiviert ist, gilt sie als dauerhaft gesichert. Deine Prüfer können deine Zitate überprüfen, was die wissenschaftliche Integrität deiner eigenen Arbeit schützt.
Diese Masterarbeiten sind nicht zitierfähig
Nicht jede akademische Leistung eignet sich als Quelle. Wenn du die Nachvollziehbarkeit nicht garantieren kannst, begehst du einen formalen Fehler, der zu Punktabzug führt. Folgende Merkmale schließen eine Masterarbeit strikt von der Zitierfähigkeit aus:
- Keine Veröffentlichung: die Arbeit liegt nur als privates PDF-Dokument vor, das dir der Autor per E-Mail geschickt hat.
- Sperrvermerk (NDA): die Arbeit enthält sensible Daten und darf für einen festgelegten Zeitraum (z.B. fünf Jahre) von niemandem außer den Erstprüfern gelesen werden.
- Fehlende Qualitätskontrolle: es ist unklar, ob die Arbeit überhaupt bestanden wurde oder sie wurde mit einer sehr schlechten Note bewertet.
Besonders bei internen Unternehmensarbeiten (z.B. in Kooperation mit einer Firma) tritt das Problem des Sperrvermerks häufig auf. Da das Unternehmen seine internen Daten schützt, ist die Arbeit für die Öffentlichkeit gesperrt. Selbst wenn du zufällig Zugriff darauf hast, darfst du nicht daraus zitieren. So erkennst du eine Arbeit, die du für deine eigene Recherche nicht verwenden darfst.
Masterarbeiten als Quelle richtig angeben
Nachdem du nun weißt, welche Masterarbeiten du verwenden darfst, schauen wir uns die technische Umsetzung an. Bevor du dich in die spezifischen Regeln deines Instituts vertiefst, musst du die grundlegenden Bausteine eines Literaturbelegs verstehen. Egal welchen Stil du verwendest, das Ziel ist immer die eindeutige Identifikation der Quelle. Sammle immer die folgenden Pflichtangaben, bevor du mit dem Schreiben beginnst:
- Vollständiger Name des Autors oder der Autorin.
- Erscheinungsjahr der Arbeit.
- Vollständiger Titel (und Untertitel) der Arbeit.
- Art der Qualifikationsschrift (hier: Masterarbeit).
- Name der Universität, an der die Arbeit eingereicht wurde.
- URL oder DOI (falls du die Arbeit online gefunden hast).
Mit diesen Informationen bist du bestens vorbereitet. Lass uns nun die genaue Formatierung für die vier gängigsten Zitierstile durchgehen.
APA-Zitierweise
Die Richtlinien der American Psychological Association (APA-Zitierweise) in der 7. Auflage unterscheiden strikt danach, wo die Masterarbeit publiziert wurde. Eine Arbeit auf einem Universitätsserver wird anders behandelt als eine unpublizierte Arbeit.
Im Literaturverzeichnis steht der Titel der Arbeit kursiv. Danach folgt in eckigen Klammern die Art der Arbeit und der Name der Universität. Am Ende nennst du den Namen der Datenbank (oder des Repositoriums) und fügst den Link ein.
Im fließenden Text nutzt du das typische Autor-Datum-Format. Wenn du wörtlich zitierst, musst du zusätzlich die genaue Seitenzahl angeben: (Nachname, Jahr, S. X).
Unten siehst du die genaue Umsetzung für ein psychologisches Thema.
Beispiel: APA-Zitierweise im Literaturverzeichnis
Müller, J. (2023). Einfluss von Remote Work auf die Burnout-Rate [Masterarbeit, Universität Hamburg]. PsyDok. https://doi.org/10.1234/5678
Harvard-Zitierweise
Die Harvard-Zitierweise ist ebenfalls ein Autor-Datum-System, besitzt aber im Gegensatz zu APA kein zentrales, offizielles Regelwerk. Du musst dich hier stark an den spezifischen Leitfaden deiner Fakultät halten.
In der Regel verzichtest du im Literaturverzeichnis auf eckige Klammern. Du nennst den Autor, das Jahr in Klammern, den Titel der Arbeit (oft nicht kursiv), die Art der Arbeit und die Universität.
Im Textverweis wird das Jahr direkt an den Namen angehängt, oft getrennt durch einen Doppelpunkt vor der Seitenzahl: (Nachname Jahr: Seite). Häufig wird hier auch das Kürzel "vgl." (vergleiche) für indirekte Zitate verwendet.
So sieht der Eintrag für eine soziologische Untersuchung aus.
Beispiel: Harvard-Zitierweise im Literaturverzeichnis
Schmidt, L. (2022): Soziale Isolation im Homeoffice: Eine empirische Analyse. Masterarbeit, Freie Universität Berlin.
Deutsche Zitierweise
Die Deutsche Zitierweise arbeitet nicht mit Verweisen im fließenden Text, sondern nutzt Fußnoten am unteren Rand der Seite. Das sorgt für einen sehr sauberen Lesefluss.
Bei der ersten Nennung der Quelle in der Fußnote verwendest du den sogenannten Vollbeleg. Dieser enthält alle Informationen: Vorname, Nachname, Titel der Arbeit (kursiv), Art der Arbeit, Universität, Jahr und die exakte Seitenzahl.
Bei jeder weiteren Nennung reicht ein Kurzbeleg (Nachname, Jahr, S. X). Das Literaturverzeichnis am Ende deiner Hausarbeit ist fast identisch mit dem Vollbeleg der Fußnote, nur dass du den Nachnamen zuerst nennst und die spezifische Seitenzahl weglässt.
Hier ist ein Beispiel für ein historisches Thema in der Fußnote.
Beispiel: Deutsche Zitierweise in der Fußnote
¹ Anna Weber, Die Entwicklung der Heimarbeit im 19. Jahrhundert im Vergleich zum modernen Remote Work, Masterarbeit, Universität Heidelberg, 2021, S. 45.
MLA-Zitierweise
Die Modern Language Association (MLA-Zitierweise) wird häufig in den Sprach- und Literaturwissenschaften verwendet. Die 9. Auflage konzentriert sich auf ein modulares System von Kern-Elementen.
Im Literaturverzeichnis nennst du den Nachnamen, Vornamen. Der Titel der Arbeit steht kursiv. Danach folgen das Jahr, die Universität und die Bezeichnung der Arbeit (z.B. Masterarbeit oder MA thesis).
Der Verweis im Text ist bei MLA sehr minimalistisch. Du nennst nur den Nachnamen des Autors und die Seitenzahl in Klammern. Es wird kein Komma gesetzt und das Jahr wird komplett weggelassen: (Nachname Seitenzahl).
Beachte bei diesem literaturwissenschaftlichen Beispiel das fehlende Komma im Textverweis.
Beispiel: MLA-Zitierweise im Text
Verweis im Text:
(Fischer 22)
Im Literaturverzeichnis:
Fischer, Tom. Das Motiv der Isolation in der zeitgenössischen Homeoffice-Literatur. 2023. Universität Köln, Masterarbeit.
Fazit und abschließende Gedanken
Masterarbeiten sind eine hervorragende Möglichkeit, um an aktuelle Forschungsergebnisse und umfangreiche Literaturlisten zu gelangen. Solange die Arbeit offiziell publiziert wurde oder in einer Universitätsbibliothek abrufbar ist, kannst du sie bedenkenlos verwenden. Achte jedoch immer darauf, dass du keine gesperrten oder rein privaten Arbeiten zitierst, da die fehlende Nachvollziehbarkeit ein schwerer formaler Fehler ist. Halte dich zudem exakt an die Formatierungsvorgaben deines gewählten Zitierstils.
Bevor du eine Masterarbeit zitierst, suche in akademischen Datenbanken nach dem Namen des Autors. Oft veröffentlichen Absolventen die wichtigsten Ergebnisse ihrer Arbeit später als stark überarbeiteten Artikel in einem Fachjournal. Zitiere, wenn möglich, immer diesen Peer-Review-Artikel anstelle der ursprünglichen Masterarbeit.

Als Doktorin der Philosophie verfügt Dr. Schäfer über tiefgehende Kenntnisse in der Formatierung und Strukturierung wissenschaftlicher Arbeiten. Sie erstellt praxisnahe Anleitungen, Beispieltexte und Vorlagen, die Studierenden und Akademikern dabei helfen, ihre Arbeiten optimal an akademische Standards und Zitierregeln anzupassen.
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