Wenn du eine systematische Literaturrecherche für deine Haus- oder Abschlussarbeit durchführst, verlierst du schnell den Überblick über hunderte gefundene Quellen. Das PRISMA Flow Chart löst genau dieses Problem.
Das PRISMA Flow Chart ist ein standardisiertes Flussdiagramm, das den gesamten Prozess einer systematischen Literaturrecherche visuell darstellt. Es dokumentiert Schritt für Schritt, wie viele Studien du gefunden, geprüft, aussortiert und letztendlich in deine Arbeit aufgenommen hast.
Das PRISMA Flow Diagramm besteht aus mehreren miteinander verbundenen Kästchen. Diese repräsentieren die verschiedenen Phasen deiner Recherche, beginnend bei der ersten Datenbanksuche bis hin zur finalen Studienauswahl. Pfeile zeigen den Fluss der Artikel durch diesen Filterprozess. Am Ende dieses Beitrags wirst du genau wissen, wie du dieses Diagramm fehlerfrei für deine eigene Forschung erstellst.
Inhaltsverzeichnis
Was ist PRISMA?
Hinter dem Begriff PRISMA verbirgt sich die englische Bezeichnung "Preferred Reporting Items for Systematic Reviews and Meta-Analyses". Es handelt sich dabei um ein international anerkanntes Regelwerk, das dir genau vorgibt, wie du systematische Übersichtsarbeiten und Meta-Analysen transparent verfasst.
Die Methode zwingt dich dazu, jeden Schritt deiner Literatursuche so genau zu dokumentieren, dass andere Forschende deinen Weg exakt nachvollziehen können. Du zeigst damit, dass du nicht einfach wahllos Artikel ausgewählt hast, die deine These unterstützen.
Wusstest du schon?
Die erste PRISMA-Erklärung wurde im Jahr 2009 von einer internationalen Gruppe von Medizinern und Methodikern veröffentlicht, um die Qualität von medizinischen Forschungsarbeiten zu verbessern. 2020 gab es ein umfassendes Update (PRISMA 2020).
Die Ziele von PRISMA
Das Hauptziel der PRISMA-Methode ist es, die Qualität und Aussagekraft deiner wissenschaftlichen Arbeit zu sichern. Prüfende wollen sehen, dass deine Literaturauswahl methodisch sauber und frei von Willkür ist.
Wenn du dich an diese Vorgaben hältst, profitierst du von mehreren konkreten Vorteilen:
- Klare Strukturierung: du hast einen festen Fahrplan für deine Recherche.
- Höhere Glaubwürdigkeit: deine Ergebnisse wirken professioneller und wissenschaftlich fundiert.
- Einfache Reproduzierbarkeit: andere können deine Suche mit den gleichen Suchbegriffen exakt wiederholen.
- Zeitersparnis beim Schreiben: der Methodik-Teil deiner Arbeit schreibt sich mit den dokumentierten Daten fast von selbst.
Vor allem die Transparenz und Reproduzierbarkeit sind die Grundpfeiler guter Forschung. PRISMA stellt sicher, dass diese Kriterien erfüllt sind.
Wozu ist die PRISMA Literaturrecherche nützlich?
In der Praxis hilft dir die PRISMA-Methode, das Chaos bei der Literatursuche zu bändigen. Anstatt hunderte PDFs unstrukturiert in Ordnern abzulegen, zwingt dich der Prozess, jede Quelle systematisch zu erfassen und zu bewerten.
Du machst deinen gesamten Suchprozess nachvollziehbar. Wenn du am Ende nur 15 von ursprünglich 500 gefundenen Studien verwendest, erklärt die PRISMA-Methode genau, warum die anderen 485 Artikel nicht relevant waren.
Tipp zur Vermeidung von Verzerrungen (Bias)
Dokumentiere deine Ein- und Ausschlusskriterien unbedingt vor Beginn der Suche. Wenn du diese Kriterien erst während des Lesens festlegst, riskierst du, unbewusst nur die Studien auszuwählen, die deine persönliche Meinung bestätigen (Selection Bias).
Was ist das PRISMA Flow Chart?
Das PRISMA Flow Chart (Flussdiagramm) ist das grafische Herzstück der PRISMA-Methode. Es visualisiert den Weg deiner Quellen von der initialen Suche bis zur endgültigen Integration in deine Arbeit durch ein System aus beschrifteten Kästchen und Pfeilen.
Die grafische Funktion dieses Diagramms ist es, komplexe Zahlen und Suchwege auf einen Blick verständlich zu machen. Es fungiert als eine Art Trichter. Oben kommen alle gefundenen Ergebnisse hinein, und unten fallen nur die qualitativ hochwertigen, relevanten Studien heraus.
Auch wenn der Ursprung englischsprachig ist, musst du das PRISMA-Schema nicht zwangsläufig auf Englisch beschriften. Es gibt mittlerweile zahlreiche übersetzte deutsche Vorlagen und Generatoren, die du direkt für deine deutschsprachige Haus- oder Abschlussarbeit nutzen kannst.
Aufbau eines PRISMA Flow Charts
Das Flussdiagramm ist klassischerweise in vier aufeinanderfolgende Hauptphasen unterteilt. Jede Phase filtert die Literatur weiter, bis nur noch die wirklich relevanten Quellen übrig bleiben.
Der Prozess durchläuft chronologisch diese Stationen:
- Identifikation: das Sammeln aller potenziell relevanten Treffer aus verschiedenen Datenbanken.
- Screening: das grobe Aussortieren unpassender Artikel.
- Eignung (Eligibility): die detaillierte Prüfung der verbliebenen Texte im Volltext.
- Eingeschlossene Studien (Included): die finale Auswahl für deine Arbeit.
Lass uns nun jede dieser vier Phasen im Detail betrachten, damit du genau weißt, was du in welchem Schritt tun musst.
Identifikation
In der ersten Phase suchst du mit deinen vorher definierten Suchbegriffen in wissenschaftlichen Datenbanken. Hier geht es darum, ein möglichst breites Netz auszuwerfen und alle Treffer zu dokumentieren.
Beispiel-Datenbanken
Für medizinische oder psychologische Themen nutzt du typischerweise Datenbanken wie PubMed oder PsycINFO. Für interdisziplinäre Suchen eignen sich große Plattformen wie Scopus oder Web of Science.
Da du oft dieselben Suchbegriffe in mehreren Datenbanken eingibst, wirst du zwangsläufig viele Studien doppelt finden. Der letzte Schritt dieser Identifikationsphase ist daher das Entfernen dieser Duplikate. Nutze dafür ein Literaturverwaltungsprogramm wie Zotero oder Citavi, das diese doppelten Einträge automatisch erkennt und zusammenführt.
Screening
Nachdem die Duplikate entfernt sind, beginnt das eigentliche Screening. In dieser Phase liest du noch keine kompletten Texte. Du bewertest die verbliebenen Artikel ausschließlich anhand ihres Titels und der Zusammenfassung (Abstract).
Wenn aus dem Abstract klar hervorgeht, dass die Studie nicht zu deiner Forschungsfrage passt, schließt du sie aus. Wichtig ist, dass du die genaue Anzahl der in diesem Schritt aussortierten Studien notierst. Du musst hier jedoch noch keine detaillierten Gründe für jeden einzelnen Ausschluss angeben.
Achtung
Ein häufiger Fehler beim Screening ist es, Artikel zu früh auszuschließen, nur weil der Abstract nicht eindeutig ist. Im Zweifel gilt die Regel. Behalte die Studie für die nächste Phase, anstatt potenziell wichtige Literatur zu verlieren.
Eignung (Eligibility)
Die Artikel, die das erste Screening überstanden haben, musst du dir nun beschaffen und komplett durchlesen. Bei dieser Volltextprüfung entscheidest du endgültig, ob eine Studie die Qualität und den inhaltlichen Fokus besitzt, um in deine Arbeit aufgenommen zu werden.
Wenn du in dieser Phase einen Artikel aussortierst, reicht es nicht mehr, nur die bloße Anzahl zu notieren. Du musst für jede ausgeschlossene Studie den primären Grund angeben.
Typische Ausschlussgründe in dieser Phase sind:
- Falsche Zielgruppe (z. B. Kinder statt Erwachsene untersucht).
- Falsches Studiendesign (z. B. nur ein Meinungsartikel statt einer empirischen Studie).
- Falsche Sprache (z. B. Artikel ist nur auf Chinesisch verfügbar).
- Fehlender Volltext (die Studie ist trotz intensiver Suche nicht zugänglich).
Eingeschlossene Studien (Included)
Die Studien, die alle Prüfungen bestanden haben, bilden nun das Fundament deiner Arbeit. Diese finale Auswahl wird im letzten Kästchen des Diagramms dokumentiert.
Hier wird oft noch einmal unterschieden, wie du die Studien weiterverarbeitest. Eine qualitative Synthese bedeutet, dass du die Ergebnisse der Studien inhaltlich zusammenfasst und vergleichst. Eine quantitative Synthese (Meta-Analyse) bedeutet, dass du die statistischen Daten der Studien zusammenführst und neu berechnest.
Mit diesem letzten Schritt hast du den Filterprozess erfolgreich abgeschlossen und eine belastbare Literaturbasis für deine Forschung geschaffen.
Schritt-für-Schritt-Anleitung zur Erstellung
Lass uns nun dein eigenes PRISMA-Diagramm erstellen. Im Folgenden findest du praktische Beispiele, um die abstrakten Schritte greifbar zu machen.
Bevor du beginnst, lege dir eine Tabelle an, in der du deine Suchbegriffe, die durchsuchten Datenbanken und das Datum der Suche genau festhältst. Lade dir zudem eine leere PRISMA-Vorlage herunter, die du schrittweise ausfüllen kannst.
Beispiel für ein PRISMA-Diagram
Um die Theorie endgültig in die Praxis umzusetzen, betrachten wir nun ein zusammenhängendes medizinisches Beispiel und füllen das PRISMA-Diagramm gedanklich aus.
Beispiel: Therapie von Migräne durch Akupunktur
Du untersuchst die Wirksamkeit von Akupunktur bei chronischer Migräne. Deine initiale Suche in medizinischen Datenbanken liefert 500 Treffer. Du findest 10 weitere Studien über Suchmaschinen.
Wenn du nun eine leere Vorlage vor dir hast, füllst du die Kästchen von oben nach unten mit diesen konkreten Zahlen. Zuerst trägst du ganz oben die 500 Datenbanktreffer und die 10 manuellen Treffer ein. Nachdem du 100 Duplikate entfernt hast, trägst du in das nächste Feld ein, dass 400 Studien für das Screening verbleiben.
Beim Lesen der Abstracts sortierst du 350 irrelevante Artikel aus. Du trägst diese Zahl in die Box rechts neben dem Screening-Feld ein. In der Mitte notierst du, dass 50 Volltexte zur Prüfung anstehen. Von diesen 50 Texten schließt du 30 aus (z. B. n=20 falsche Intervention, n=10 falsches Studiendesign). Diese Begründungen trägst du in die Box rechts neben der Eignungsprüfung ein. Am Ende trägst du in das unterste Kästchen ein, dass 20 Studien in deine finale Arbeit einfließen.
Fazit und abschließende Gedanken
Das PRISMA Flow Chart ist ein unverzichtbares Werkzeug, um deine Literaturrecherche strukturiert, transparent und wissenschaftlich fundiert zu dokumentieren. Es verwandelt eine chaotische Zettelsammlung in einen klaren, nachvollziehbaren Prozess, der die Qualität deiner gesamten Arbeit anhebt.
Nutze für die Erstellung am besten interaktive PDF-Vorlagen oder webbasierte Generatoren wie die offizielle PRISMA-Website, um dir das manuelle Zeichnen der Kästchen in Word zu ersparen.
Moritz Bauer hat in den letzten vier Jahren als freiberuflicher Redakteur und Autor eine breite Expertise im Bereich Anglistik und Amerikanistik aufgebaut. Seine Kompetenzen umfassen die Texterstellung und -bearbeitung, das Lektorat und Korrektorat von wissenschaftlichen Arbeiten sowie die Recherche und Analyse von englischsprachigen Quellen. Moritz ist spezialisiert auf englische Literatur und Kultur sowie amerikanische Geschichte, was ihm ermöglicht, fundierte und präzise wissenschaftliche Texte zu erstellen. Durch seine präzise Arbeitsweise und sein tiefes Verständnis für die englische Sprache trägt er wesentlich zur Qualität und Klarheit von wissenschaftlichen Veröffentlichungen bei.
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