Plagiate finden: Vorgehen und Möglichkeiten

Ein Plagiat ist die ungekennzeichnete Übernahme fremder Texte, Ideen oder Daten in einer eigenen wissenschaftlichen Arbeit. Dadurch erweckst du fälschlicherweise den Eindruck, es handele sich um deine eigenständige geistige Leistung.

Sowohl die manuelle als auch die automatische Überprüfung deiner Texte sind unerlässlich, um wissenschaftliches Fehlverhalten auszuschließen. Während Software exakte Textüberschneidungen in Sekundenschnelle aufdeckt, hilft dir das aufmerksame Lesen dabei, verschleierte Strukturplagiate oder unsaubere Übersetzungen zu erkennen. Durch das gezielte Suchen nach diesen Fehlern verfeinerst du gleichzeitig dein eigenes Gespür für sauberes wissenschaftliches Arbeiten und korrektes Zitieren.

Mit einer Plagiatsprüfung Plagiate finden

Online Plagiatsprüfung vergleicht deine Arbeit mittels Algorithmen mit einer riesigen Datenbank aus Online-Quellen, Büchern und anderen studentischen Arbeiten, um Plagiate online zu finden.

Wie finden Lehrer Plagiate? Lehrkräfte laden die eingereichten Dokumente in der Regel in universitäre Systeme wie Turnitin ein, welche dann einen detaillierten Ähnlichkeitsbericht generieren. Dieser Bericht markiert exakte Wortübereinstimmungen farbig und gibt eine prozentuale Gesamtrate an.

  • Geschwindigkeit:  die Algorithmen scannen hunderte Seiten in wenigen Sekunden und sparen somit enorm viel Zeit.
  • Umfangreiche Datenbanken:  die Software gleicht Sätze mit Millionen von Webseiten und unsichtbaren Fachartikeln ab, die über Google schwer auffindbar sind.
  • Objektivität:  das System markiert Übereinstimmungen rein mathematisch und ohne menschliche Voreingenommenheit.

Tipp zur Softwareauswahl

Achte strikt auf den Datenschutz. Nutze professionelle Anbieter wie Scribbr oder PlagScan, die dein Dokument nach der Prüfung löschen. Vermeide kostenlose Tools, da diese deine Arbeit oft in ihren eigenen Datenbanken speichern oder weiterverkaufen.

Auffällige Formatierung

Beim unsauberen Kopieren von Texten aus PDFs oder Webseiten werden oft unsichtbare Formatierungen in das eigene Dokument übertragen. Diese visuellen Brüche sind das erste und offensichtlichste Warnsignal für einen eingefügten Fremdtext.

  • Grauer Texthintergrund:  entsteht häufig beim direkten Kopieren aus Wikipedia oder anderen Web-Enzyklopädien.
  • Wechselnde Schriftarten:  ein plötzlicher Sprung von der Standardschrift (z. B. Times New Roman) zu Arial oder Calibri mitten im Absatz.
  • Unregelmäßige Zeilenabstände:  der eingefügte Block hat plötzlich einen einfachen Zeilenabstand, während der Rest der Arbeit 1,5-zeilig formatiert ist.

Auffällige Zitierstile

Ein weiteres Indiz für kopierte Passagen ist die uneinheitliche Angabe von Quellen im laufenden Text. Wenn ein Autor einen fremden Absatz übernimmt, kopiert er oft unwissentlich die darin enthaltenen Verweise mit. Dadurch vermischen sich plötzlich völlig verschiedene Zitiervorgaben im selben Dokument.

Beispiel für gemischte Zitierweisen im Methodikteil

Mikroplastik gefährdet vor allem kleinere Fischarten (Müller, 2020, S. 14). Zudem zeigen neuere Studien, dass auch Plankton diese Toxine direkt aufnimmt.¹

(Der Sprung von der APA-Zitierweise im Text zu einer Fußnote verdeutlicht den Fehler.)

Wenn du so einen Wechsel entdeckst, prüfe das Literaturverzeichnis. Fehlt die Quelle zur Fußnote komplett, handelt es sich meist um ein Sekundärzitat, das der Autor blind aus einem anderen Werk übernommen hat, ohne den Originaltext je gelesen zu haben.

Auffälliger Sprachstil

Jeder Schreibende besitzt eine individuelle sprachliche Handschrift. Ein abrupter Wechsel im Ausdrucksvermögen, bei dem einfache studentische Prosa plötzlich in hochkomplexe, dichte Wissenschaftssprache umschlägt, ist höchst verdächtig.

Beispiel für einen Stilbruch in der Einleitung

Ich schreibe über Plastik im Meer, weil das ein sehr schlimmes Problem für die Fische ist. Die anthropogene Akkumulation von Mikroplastikpartikeln in pelagischen Zonen induziert weitreichende trophische Kaskaden. Deshalb müssen wir etwas tun.

Dieser extreme Kontrast zeigt deutlich, dass der mittlere Satz nicht aus derselben Feder stammt.

Verschiedene Zeitformen

Das unsaubere Zusammenfügen von fremden Textbausteinen führt häufig zu grammatikalischem Chaos. Besonders das fehlerhafte Hin- und Herspringen zwischen verschiedenen Zeitformen innerhalb eines Absatzes entlarvt oft eine Patchwork-Arbeit.

  • Unübersetzte englische Grammatikstrukturen (z. B. die falsche Übernahme des Present Perfect in deutsche Sätze).
  • Das direkte Aneinanderreihen einer Einleitung (meist im Präsens verfasst) mit einem kopierten Methodikteil (meist im Präteritum).

Kurzer Hinweis

Ein Wechsel der Zeitform ist nicht automatisch ein Plagiat. Häufig handelt es sich lediglich um schlechte Grammatik oder mangelndes sprachliches Verständnis. Analysiere immer den inhaltlichen Kontext, bevor du voreilige Schlüsse ziehst.

Rechtschreib- und Grammatikfehler

Fehler sind menschlich. Wenn eine Hausarbeit jedoch durchgehend Kommafehler und Tippfehler aufweist, aber plötzlich zwei Seiten völlig fehlerfrei und grammatikalisch perfekt formuliert sind, deutet dies auf Copy-and-Paste hin:

  • Fehlerfreie Inseln:  perfekte, lektorierte Absätze, die von fehlerhaften Sätzen eingerahmt werden.
  • Alte Rechtschreibung:  das plötzliche Auftauchen von Wörtern wie "daß" oder "Schluß", was auf das Kopieren aus älterer Fachliteratur (vor der Rechtschreibreform) hindeutet.
  • Schweizer Schreibweise:  das durchgehende Fehlen des "ß" (z. B. "Fussball", "Ausstoss"), wenn unbemerkt aus Schweizer Quellen kopiert wurde.

Kurz & knackig

Nutze die Suchfunktion deines Schreibprogramms (Strg + F bei Windows, Cmd + F bei Mac), um die Arbeit gezielt nach veralteten Schreibweisen wie "daß" oder "muß" zu scannen.

Auffällige Fremd- und Fachwörter

Manchmal versuchen Studierende, ein Plagiat durch den Austausch einzelner Wörter zu verschleiern (Synonym-Spinning). Ebenso kommt es vor, dass hochspezialisierte Texte abgeschrieben werden, ohne die genutzte Terminologie zu verstehen. Dies führt zu Sätzen, die zwar klug klingen, im Kontext aber völlig unpassend oder deplatziert sind.

Beispiel für einen übertriebenen Fachwortgebrauch

Die aquatischen Biome manifestieren eine profunde Intoxikation durch synthetische Polymere.

(Statt einfach zu schreiben: "Die Meere sind stark durch Plastik verschmutzt.")

Um diesen Verdacht zu erhärten, wählst du die Methode des gezielten Nachfragens. Bitte den Autor in einer Sprechstunde oder mündlichen Prüfung, Begriffe wie "aquatische Biome" frei zu definieren. Kann er die von ihm selbst verwendeten Fremdwörter nicht erklären, ist der Text mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht selbst verfasst.

Nicht einheitliche Eigennamen

Werden Informationen aus internationalen Quellen zusammengetragen und maschinell übersetzt, schleichen sich oft abweichende Schreibweisen von geografischen oder historischen Eigennamen ein. Ein ständiger Wechsel zwischen der deutschen und englischen Schreibweise innerhalb derselben Arbeit ist ein starkes Indiz für unsauberes Arbeiten.

Einheitliche Schreibweise (Deutsch)Abweichende Schreibweise (Englisch/Kopiert)
Pazifischer Ozean.Pacific Ocean.
Tschernobyl.Chernobyl.
Plinius der Ältere.Pliny the Elder.

Verwende die "Suchen und Ersetzen"-Funktion in Word, um gezielt nach bekannten englischen Namensvarianten (z. B. "Pacific") zu suchen. So spürst du unsauber übersetzte Textpassagen schnell auf.

Verdächtige Quellen

Oftmals verrät nicht der Text selbst, sondern das Literaturverzeichnis ein Plagiat. Wenn ganze Absätze inklusive ihrer Quellenangaben aus fremden Arbeiten übernommen werden, passen die zitierten Werke häufig nicht zum aktuellen Stand der Forschung oder zur Arbeitsweise des Studierenden.

  • Veraltete Literatur:  eine Arbeit über aktuelle Mikroplastik-Filtertechniken zitiert ausschließlich Fachbücher aus den 1990er Jahren.
  • Fremdsprachige Nischenliteratur:  es werden chinesische oder russische Originalstudien zitiert, obwohl der Autor diese Sprachen nachweislich nicht beherrscht.
  • Unpassende URLs:  die Links im Literaturverzeichnis verweisen auf private Blogs oder Foren statt auf wissenschaftliche Datenbanken.

Auffällige Abbildungen

Plagiate beschränken sich nicht nur auf geschriebenen Text. Diagramme, Tabellen und Fotografien werden ebenso häufig ohne korrekte Quellenangabe gestohlen. Visuelle Unstimmigkeiten verraten oft sofort, dass eine Grafik nicht selbst erstellt wurde:

  • Verpixelte Grafiken.Wenn ein Diagramm stark unscharf ist oder Kompressionsartefakte aufweist, wurde es meist per Screenshot aus einem fremden PDF ausgeschnitten und unsauber vergrößert.
  • Fremdsprachige Achsenbeschriftungen.Die gesamte Arbeit ist auf Deutsch verfasst, aber das eingefügte Balkendiagramm zeigt englische Bezeichnungen wie "Amount" oder "Time" auf den Achsen.
  • Abweichendes Design.Die verwendeten Farben, Linienstärken und Schriftarten in der Grafik passen überhaupt nicht zum restlichen Layout der Hausarbeit.

Um die Herkunft eines Bildes zu klären, nutzt du am besten eine Bilderrückwärtssuche. Speichere das verdächtige Bild ab und lade es bei Google Lens oder TinEye hoch. Diese Tools zeigen dir sofort an, in welchen Publikationen oder auf welchen Webseiten die Grafik ursprünglich veröffentlicht wurde.

Spezialfall Bibliothekssuche

Digitale Plagiatssoftware findet nur Texte, die auch im Internet oder in digitalen Datenbanken verfügbar sind. Wenn jemand aus einem alten, vergriffenen Buch abschreibt, schlägt kein Algorithmus der Welt Alarm. Hier hilft nur die klassische Handarbeit:

  1. Identifiziere das verdächtige Zitat oder den sprachlich auffälligen Absatz im Text.
  2. Suche im Online-Katalog (OPAC) deiner Universitätsbibliothek nach dem im Literaturverzeichnis angegebenen Buch.
  3. Gehe in die Bibliothek, leihe das physische Werk aus und schlage die exakte Seite nach.
  4. Vergleiche den gedruckten Originaltext Wort für Wort mit der studentischen Arbeit, um das Plagiat zweifelsfrei nachzuweisen.

Unterschätze niemals den Wert gedruckter Werke. Ein enormer Teil der älteren, spezifischen Fachliteratur ist bis heute nicht digitalisiert. Wenn du einen starken Verdacht hast, führt oft kein Weg an der manuellen Recherche in den physischen Beständen vorbei.

Fazit und abschließende Gedanken

Die Erkennung von Plagiaten erfordert ein Auge für Details und Brüche in der Arbeit. Ob es sich um plötzliche Formatierungsfehler, unerklärliche Sprünge in der Sprachkompetenz, gemischte Zitierstile oder unscharfe Abbildungen handelt, all diese Inkonsistenzen stören den natürlichen Fluss einer eigenständigen wissenschaftlichen Arbeit. Indem du lernst, diese Warnsignale systematisch zu überprüfen, sicherst du die wissenschaftliche Integrität.

Verlasse dich niemals blind auf die Prozentangaben einer Software. Der beste und zuverlässigste Plagiatsprüfer bleibt dein eigener kritischer Verstand beim aufmerksamen Lesen des Textes.