Was heißt umgangssprachlich? Umgangssprache bedeutet die alltägliche, oft unstrukturierte Sprache, die wir im privaten Austausch nutzen. Sie ist geprägt von regionalen Ausdrücken, emotionalen Färbungen und grammatikalischen Vereinfachungen. In der Wissenschaft hat sie keinen Platz, da hier Präzision und Neutralität im Vordergrund stehen.
Sachliche Sprache ist das Fundament jeder Haus- oder Abschlussarbeit. Sie stellt sicher, dass deine Argumente objektiv bewertet werden können, ohne durch emotionale oder ungenaue Formulierungen verfälscht zu werden. Wenn du wissenschaftlich schreibst, möchtest du schließlich durch Fakten überzeugen und nicht durch dramatische Worte.
Inhaltsverzeichnis
Definition: Was ist Umgangssprache?
Deutsche Umgangssprache ist unser natürliches Kommunikationsmittel im Alltag. Du nutzt sie automatisch, wenn du mit Freunden sprichst, Textnachrichten tippst oder schnell eine E-Mail an Bekannte verfasst.
Der größte Unterschied zur Wissenschaftssprache liegt in der Zielsetzung. Während der Alltagstalk Beziehungen pflegt und Emotionen transportiert, dient wissenschaftliches Schreiben der reinen, überprüfbaren Informationsvermittlung.
Wenn du eine akademische Arbeit verfasst, musst du diesen spontanen Modus bewusst abschalten und die Umgangssprache vermeiden.
Hauptmerkmale der deutschen Umgangssprache
Um unpassende Formulierungen zu streichen, musst du sie zunächst erkennen. Achte bei der Korrekturlesung besonders auf diese typischen sprachlichen Eigenheiten:
- Verkürzungen (Elisionen): die Wörter werden beim Sprechen oft zusammengezogen (z. B. "nen" statt "einen", "mal" statt "einmal").
- Füllwörter (Modalpartikeln): die Wörter wie "halt", "eben" oder "schon" schwächen Aussagen ab und haben keinen inhaltlichen Mehrwert.
- Umgangssprachliche Redensarten: bildhafte Sprüche machen Texte zwar lebendig, sind aber analytisch unbrauchbar.
- Extreme Übertreibungen: die Adjektive wie "riesig" oder "katastrophal" verzerren die sachliche Realität.
Ein einfacher Trick zur Vermeidung. Lies dir deinen Text laut vor. Stolperst du über Formulierungen, die exakt so klingen, als würdest du sie einem Kommilitonen in der Cafeteria erzählen, musst du diese umschreiben.
Subjektives Übertreiben mindert die Objektivität
Emotionale Sprache raubt deiner Argumentation die Glaubwürdigkeit. Wenn du übertreibst, wirkst du nicht mehr wie ein distanzierter Forscher, sondern wie ein voreingenommener Kommentator.
Du nutzt stark wertende Adjektive, um die Wichtigkeit deines Themas zu unterstreichen. Dadurch wirkt der Text unwissenschaftlich und manipulativ.
Ersetze emotionale Wertungen durch messbare Fakten oder neutrale Beschreibungen. Lass die Daten für sich sprechen.
Nachfolgend illustrieren wir dies an einem Beispiel zur Nutzung von Social Media.
Beispiel: Subjektives Übertreiben bei Social Media
Unangemessen: Die Handysucht der Studenten hat katastrophale Auswirkungen auf ihren Schlaf.
Wissenschaftlich: Die intensive Smartphone-Nutzung korreliert negativ mit der Schlafqualität der Studierenden.
Beachte im Beispiel, wie das Ersetzen von "katastrophal" durch "korreliert negativ" die Aussage von einer Behauptung in eine analytische Beobachtung verwandelt.
Bedeutungsverstärkende und subjektive Begriffe vermeiden
Oft schleichen sich Wörter in den Text, die eine Aussage künstlich aufblähen sollen. Solche bedeutungsverstärkenden Begriffe sind in der Wissenschaft unangemessen, da sie keine exakten Mengen oder Grade definieren. Was für dich "extrem" ist, empfindet ein anderer vielleicht nur als "moderat". Diese Unschärfe zerstört die Überprüfbarkeit.
Streiche folgende Wörter konsequent aus deinen Entwürfen:
- Total
- Extrem
- Enorm
- Wahnsinnig
- Riesig.
Nutze stattdessen neutrale Alternativen, die den Grad einer Veränderung sachlich beschreiben. "Total wichtig" wird zu "von zentraler Bedeutung". "Enorm gestiegen" umschreibst du besser mit "signifikant angestiegen" oder belegst es direkt mit konkreten Prozentzahlen.
Saloppe Wertungen wirken unsachlich
Unprofessionelle Beurteilungen entstehen schnell, wenn du eine klare Meinung zu den Ergebnissen deiner Literaturrecherche hast. Wertest du salopp, verlässt du die Rolle des objektiven Beobachters. Dies führt dazu, dass Prüfer deine Methodik anzweifeln, da du offensichtlich voreingenommen an das Thema herangehst.
- "Gut" oder "Schlecht": diese Begriffe sind moralisch aufgeladen und wissenschaftlich unpräzise. Sie erklären nicht, nach welchen Kriterien etwas bewertet wurde.
- "Schlimm": impliziert eine emotionale Betroffenheit, die in einer Sachanalyse keinen Platz hat.
- "Echt interessant": eine rein subjektive Empfindung, die für den Leser irrelevant ist.
Hier siehst du, wie du solche Wertungen in unserem Kontext neutralisierst.
Beispiel: Saloppe Wertungen bei der Schlafforschung
Salopp: Es ist echt schlimm, dass so viele vor dem Schlafen noch auf Instagram scrollen.
Sachlich: Es ist kritisch zu betrachten, dass ein Großteil der Probanden unmittelbar vor der Nachtruhe soziale Netzwerke konsumiert.
Persönliche Begeisterung nicht im Text ausdrücken
Auch wenn du für dein Forschungsthema brennst, darf diese Leidenschaft im Text nicht spürbar sein. Eine neutrale Distanz ist zwingend erforderlich, um zu signalisieren, dass du alle Seiten eines Themas kritisch beleuchtest.
Behalte stets im Hinterkopf, dass dein Text informieren und analysieren soll, nicht unterhalten oder überreden.
Kurz & knackig
Suche in deinem Dokument gezielt nach Ausrufezeichen. In einer wissenschaftlichen Arbeit haben Ausrufezeichen (außerhalb direkter Zitate) absolut nichts verloren. Ersetze sie durch Punkte und neutralisiere den vorangehenden Satz.
Anstatt zu schreiben "Die neuen Ergebnisse der Schlafstudie sind absolut faszinierend!", formulierst du: "Die aktuellen Ergebnisse der Studie liefern neue Erkenntnisse zur Schlafhygiene."
Füllwörter vermeiden
Was sind Füllwörter? Füllwörter sind inhaltsleere Wörter, die den Satz künstlich in die Länge ziehen, ohne neue Informationen zu liefern.
Sie stören den wissenschaftlichen Lesefluss massiv. Sie verwässern deine Kernaussagen und lassen den Text unsicher und umgangssprachlich wirken. Prägnanz ist ein Qualitätsmerkmal guter akademischer Texte. Nutze die Suchfunktion deines Schreibprogramms, um diese typischen Streichkandidaten aufzuspüren:
- Eigentlich
- Halt
- Quasi
- Natürlich
- Irgendwie
- Sowieso.
Oft reicht es aus, das Wort einfach ersatzlos zu löschen, wie das folgende Beispiel zeigt.
Beispiel: Füllwörter bei der Datenauswertung
Vorher: Die Social-Media-Nutzung führt eigentlich quasi immer zu Schlafproblemen.
Nachher: Die Social-Media-Nutzung führt häufig zu Schlafproblemen.
Auf Redewendungen und Metaphern verzichten
Bildhafte Sprache und Sprichwörter gehören in Romane oder journalistische Artikel, nicht in eine Hausarbeit. Der Grund für diesen Verzicht liegt in der Mehrdeutigkeit von Metaphern. Wissenschaftliche Aussagen müssen jedoch eindeutig und interpretationsfrei sein.
Zudem variieren Redewendungen kulturell stark. Was in einer Region verstanden wird, ergibt für Leser aus anderen Sprachräumen keinen Sinn. Die folgende Übersicht zeigt dir, wie du typische Phrasen fachgerecht übersetzt.
| Bildhafter Ausdruck (Standardsprache) | Neutrale Formulierung (Wissenschaftssprache) |
|---|---|
| Licht ins Dunkel bringen. | Einen Sachverhalt aufklären / analysieren. |
| Das Handtuch werfen. | Ein Vorhaben abbrechen. |
| Ein zweischneidiges Schwert. | Ein ambivalentes Phänomen. |
| Auf der Hand liegen. | Offensichtlich sein / sich deutlich zeigen. |
Beispiele für Umgangssprache
Um ein Gefühl für den richtigen Tonfall zu entwickeln, hilft der direkte Vergleich. Sehr oft schleichen sich alltägliche Verben oder unpräzise Nomen in den Text ein, die auf den ersten Blick harmlos wirken.
Hier siehst du falsche und richtige Formulierungen aus unserem Themenbereich direkt gegenübergestellt, um deutsche Umgangssprache schneller zu lernen.
| Umgangssprache (Falsch) | Wissenschaftssprache (Richtig) |
|---|---|
| Die Studenten hängen abends am Handy. | Die Studierenden nutzen in den Abendstunden ihr Smartphone. |
| Die Forscher haben rausgefunden, dass... | Die Studie konnte belegen, dass... |
| Das Thema ist gerade voll im Trend. | Das Thema ist von hoher aktueller Relevanz. |
| Man sieht ganz klar, dass der Schlaf leidet. | Die Datenlage verdeutlicht eine Verschlechterung der Schlafqualität. |
Verlasse dich nicht auf dein Bauchgefühl. Nutze Synonymwörterbücher (wie den Duden) oder Online-Tools zur Textanalyse, um gezielt nach akademischen Alternativen für alltägliche Verben wie "machen", "tun" oder "kriegen" zu suchen.
Fazit und abschließende Gedanken
Der Verzicht auf die Alltagssprache ist ein entscheidender Schritt zu einer professionellen akademischen Arbeit. Indem du Füllwörter streichst, auf emotionale Übertreibungen verzichtest und Metaphern durch präzise Begriffe ersetzt, erhöhst du die Glaubwürdigkeit deiner Argumentation enorm.
Sachlichkeit und Distanz sind deine wichtigsten Werkzeuge, um komplexe Sachverhalte nachvollziehbar zu präsentieren.
Drucke deine Arbeit aus und lies sie mit einem Textmarker in der Hand. Markiere jedes Adjektiv und jedes Verb. Prüfe anschließend kritisch, ob diese Wörter eine messbare Tatsache beschreiben oder lediglich eine subjektive Empfindung ausdrücken.
Als Doktorin der Philosophie verfügt Dr. Schäfer über tiefgehende Kenntnisse in der Formatierung und Strukturierung wissenschaftlicher Arbeiten. Sie erstellt praxisnahe Anleitungen, Beispieltexte und Vorlagen, die Studierenden und Akademikern dabei helfen, ihre Arbeiten optimal an akademische Standards und Zitierregeln anzupassen.
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