Verbotene Wörter in wissenschaftlichen Arbeiten

Oft ist die Lösung nicht, komplizierte Fremdwörter hinzuzufügen, sondern die falschen Wörter wegzulassen. Wissenschaftliches Schreiben erfordert eine präzise, klare und vor allem objektive Sprache.

Verbotene Wörter im akademischen Kontext sind Begriffe, die subjektiv, ungenau, umgangssprachlich oder emotional aufgeladen sind. Sie lenken von den eigentlichen Fakten ab und untergraben die Glaubwürdigkeit deiner methodischen Argumentation.

Objektive Sprache bedeutet, dass deine Forschungsergebnisse für sich selbst sprechen. Deine persönliche Meinung oder emotionale Bindung zum Thema hat im Text keinen Platz. Die Leserschaft soll durch nachvollziehbare Beweise und saubere Quellenarbeit überzeugt werden, nicht durch rhetorische Tricks.

Typische Kategorien dieser No-Go-Wörter umfassen Alltagssprache, persönliche Wertungen, maßlose Übertreibungen, die direkte Ansprache der Leserschaft sowie schwammige Mengenangaben.

Allgemeine Wörter

Umgangssprachliche Begriffe rutschen oft unbemerkt in den Text, weil wir sie im Alltag ständig verwenden. In einer akademischen Arbeit wirken sie jedoch unprofessionell und lassen deine Methodik schnell oberflächlich erscheinen. Dein Ziel ist es, einen formellen Ton zu treffen, ohne künstlich verschachtelt zu schreiben.

Verbotenes Wort (Umgangssprache)Wissenschaftliche Alternative
kriegen / bekommen.erhalten / erwerben.
Sachen / Dinge.Aspekte / Faktoren / Elemente.
riesig / extrem.signifikant / maßgeblich.
schauen / gucken.untersuchen / analysieren / betrachten.

Im Folgenden nutzen wir konkrete Vergleiche, um den Prozess der Überarbeitung zu verdeutlichen.

Beispiel für eine Umgangssprache

Falsch: Die Mitarbeiter kriegen durch Homeoffice mehr Zeit für private Sachen.

Richtig: Die Angestellten erhalten durch Remote-Arbeit mehr Zeit für private Aktivitäten.

Ein häufiger Fehler ist es, den Text beim Korrekturlesen nur stumm zu überfliegen, wodurch das Gehirn umgangssprachliche Lückenfüller ignoriert.

Nutze ein digitales Synonymwörterbuch (wie Woxikon oder den Duden online). Wenn du dir unsicher bist, ob ein Wort zu umgangssprachlich ist, suche es dort. Fehlt die Markierung bildungssprachlich oder fachsprachlich, wähle eine formellere Alternative. Lies dir deinen Text zudem laut vor, so stolperst du automatisch über unpassende Alltagsbegriffe.

Subjektive Wertungen

Subjektive Wertungen sind Wörter, die deine persönliche Meinung oder ein unbegründetes Gefühl ausdrücken. Im akademischen Kontext ist dies ein schwerer Fehler. Wissenschaftliche Neutralität bedeutet, dass du Phänomene beschreibst und analysierst, ohne sie moralisch oder emotional zu beurteilen. Sobald du wertende Adjektive verwendest, verlässt du die Ebene der Fakten und machst deine Arbeit angreifbar.

Hier sind typische wertende Adjektive, die du konsequent streichen musst:

  • gut / schlecht
  • schrecklich / wunderbar
  • interessant / langweilig
  • erschreckend / erfreulich.

Ein häufiger Fehltritt von Studierenden ist der Versuch, Ergebnisse künstlich spannender zu machen. Anstatt zu werten, musst du die Daten so detailliert präsentieren, dass die Leserschaft die Tragweite selbst erkennt.

Beispiel für subjektive Wertungen

Falsch: Es ist erschreckend, wie schlecht die Kommunikation im Homeoffice funktioniert.

Richtig: Die Daten zeigen einen Rückgang der Kommunikationshäufigkeit um 30 Prozent bei reiner Heimarbeit.

Übertreibungen

Absolute Aussagen sind in der Wissenschaft extrem gefährlich. Sobald du behauptest, dass etwas absolut oder ausnahmslos der Fall ist, reicht ein einziges Gegenbeispiel aus, um dein gesamtes Argument zu widerlegen. Übertreibungen schwächen deine Glaubwürdigkeit, da sie signalisieren, dass du die Komplexität deines Themas nicht vollständig erfasst hast.

Zu den klassischen Übertreibungen gehören folgende Begriffe:

  • immer / niemals
  • jeder / keiner
  • alles / nichts
  • beweist / zweifellos.

Um diese Fehlerquelle auszuschalten, musst du diese Extreme durch präzise Mengenangaben oder einschränkende Verben ersetzen. Nutze Formulierungen wie deutet darauf hin, korreliert mit oder in der Mehrheit der Fälle, um wissenschaftliche Vorsicht walten zu lassen.

Beispiel für Übertreibungen

Falsch: Jeder Mitarbeiter ist im Homeoffice produktiver, was zweifellos beweist, dass das Büro ausgedient hat.

Richtig: 78 Prozent der befragten Mitarbeiter berichten von einer Produktivitätssteigerung, was auf Vorteile der Heimarbeit hindeutet.

Hüte dich vor unzulässigen Verallgemeinerungen. Schließe nicht von einer kleinen Stichprobe auf die Gesamtbevölkerung. Beschränke deine Aussagen immer auf den spezifischen Datensatz, den du in deiner Arbeit tatsächlich analysiert hast.

Direkte Ansprache des Lesers

Eine wissenschaftliche Arbeit ist kein Dialog mit deinem Dozenten und auch kein Blogartikel. Personalpronomen wie ich, du oder wir brechen die professionelle Distanz. Sie rücken den Autor oder die Leserschaft in den Mittelpunkt, obwohl ausschließlich der Forschungsgegenstand und die Methodik im Fokus stehen sollten.

Vermeide zwingend diese unpassenden Anreden und Konstruktionen:

  • Wie wir im nächsten Kapitel sehen werden...
  • Stell dir vor, du bist...
  • Ich werde nun beweisen, dass...
  • Man muss hierbei beachten...

Ein besonders häufiger Antipattern ist der übermäßige Gebrauch des Wortes man als Ersatz für ich. Das Wörtchen man ist jedoch unpräzise und stilistisch unschön. Die beste Lösung, um dies zu umgehen, sind Passivkonstruktionen oder die Technik, die Arbeit selbst zum Akteur zu machen.

Beispiel für die direkte Ansprache des Lesers

Falsch: Wie wir sehen können, habe ich für diese Studie 50 Personen befragt.

Richtig: Für diese Studie wurden 50 Personen befragt. oder Die vorliegende Untersuchung basiert auf der Befragung von 50 Personen.

Vage Formulierungen

Schwammige Begriffe führen zu einem massiven Präzisionsverlust. Wenn du vage formulierst, zwingst du die Leserschaft, zu raten, was du eigentlich meinst. In der Wissenschaft gibt es jedoch keinen Raum für Interpretationsspielraum bei grundlegenden Fakten. Jede Behauptung muss überprüfbar und eindeutig sein.

Diese ungenauen Wörter solltest du konsequent aus deinem Vokabular streichen:

  • ein bisschen / ein wenig
  • einige / viele / mehrere
  • oft / manchmal / selten
  • bald / in letzter Zeit / heutzutage.

Um diesen Fehler zu beheben, musst du exakte Daten, Zeiträume und konkrete Quellen nennen. Wenn du beim Schreiben merkst, dass du keine genauen Zahlen hast, ist das ein Signal dafür, dass du noch einmal in die Literaturrecherche einsteigen musst.

Schwierige und gute Tabuwörter

Nicht jedes scheinbare Tabuwort ist unter allen Umständen verboten. Es gibt kontextabhängige Ausnahmen, die du kennen musst, um nicht in eine überkorrigierte, unnatürliche Sprache zu verfallen. Die Erlaubnis bestimmter Begriffe hängt stark von der spezifischen Sektion deiner Arbeit oder der jeweiligen Fachdisziplin ab.

WortVerboten in...Erlaubt in...
IchEinleitung, Hauptteil, Fazit.Vorwort, Danksagung, qualitativen Interviews (als direktes Zitat).
BeweistGeistes- und Sozialwissenschaften.Mathematik, formaler Logik.
WirHausarbeiten von Einzelautoren.Publikationen von Forschungsgruppen oder Co-Autoren.

Jede Fakultät hat eigene Konventionen. Während in der Soziologie oft strikt im Passiv geschrieben wird, fordern einige moderne Leitfäden in den Kulturwissenschaften manchmal explizit die Nennung des Ichs, um die Position und Befangenheit des Forschers transparent zu machen. Prüfe daher immer die spezifischen Richtlinien deines Instituts.

Fazit und abschließende Gedanken

Der Weg zu einer professionellen wissenschaftlichen Arbeit führt über die konsequente Vermeidung von Umgangssprache, subjektiven Wertungen, Übertreibungen und vagen Formulierungen. Objektivität und Präzision sind deine wichtigsten Werkzeuge. Indem du dich auf überprüfbare Fakten stützt und eine neutrale Distanz wahrst, verleihst du deinen Argumenten die nötige Überzeugungskraft.

Der effektivste Weg, diese No-Go-Wörter aufzuspüren, ist ein gezielter, separater Korrekturdurchlauf ganz am Ende deines Schreibprozesses. Verlasse dich nicht darauf, diese Fehler beim normalen inhaltlichen Lesen zu entdecken, da dein Gehirn bekannte Wörter oft einfach überliest.

Erstelle dir eine persönliche Blacklist mit deinen häufigsten Fehlerwörtern. Nutze die Suchfunktion deines Textverarbeitungsprogramms (Strg+F unter Windows oder Cmd+F am Mac), um die gesamte Arbeit systematisch nach genau diesen Wörtern abzusuchen und sie gezielt zu eliminieren.