Das Literaturverzeichnis nach der deutschen Zitierweise ist die systematische, vollständige und alphabetisch geordnete Zusammenstellung aller Quellen, die du in deiner akademischen Arbeit verwendet hast.
Viele Studierende verwechseln die Aufgaben von Fußnoten und dem abschließenden Verzeichnis. Die Fußnote befindet sich direkt unten auf der Textseite und dient als schneller Kurzbeleg (oder Vollbeleg, je nach Vorgabe) genau dort, wo du ein Argument stützt. Das Literaturverzeichnis hingegen listet diese Quellen gesammelt, abschließend und mit den vollständigen bibliografischen Daten auf.
In diesem Artikel zeigen wir dir Schritt für Schritt, wie du dieses Verzeichnis nach den Standards der deutschen Zitierweise fehlerfrei aufbaust. Im Folgenden werden wir verschiedene Beispiele anführen, um dir den Prozess praktisch zu veranschaulichen.
Inhaltsverzeichnis
Grundprinzipien der deutschen Zitierweise
Die deutsche Zitierweise zeichnet sich durch eine klare Struktur aus, die sowohl im Text als auch im Literaturverzeichnis gelten. Ihr Hauptziel ist es, die Herkunft jeder verwendeten Quelle eindeutig nachweisbar zu machen und die wissenschaftliche Arbeit transparent zu gestalten.
1. Einheitlichkeit
Alle Quellen müssen nach dem gleichen Schema angegeben werden. Es ist nicht erlaubt, innerhalb einer Arbeit unterschiedliche Zitierstile zu mischen. Einheitliche Formatierung sorgt nicht nur für Lesbarkeit, sondern zeigt auch, dass die Arbeit sorgfältig und professionell erstellt wurde.
2. Vollständigkeit der Angaben
Jede Quelle im Literaturverzeichnis muss vollständig erfasst werden. Typische Angaben sind:
- Autor(en): Nachname, Vorname
- Titel: inklusive Untertitel, falls vorhanden
- Auflage: nur wenn es sich nicht um die erste handelt
- Verlag und Erscheinungsort
- Jahr der Veröffentlichung
Fehlende Angaben können die Nachvollziehbarkeit der Quellen erheblich erschweren und im schlimmsten Fall als Plagiat gewertet werden.
3. Alphabetische Sortierung
Im Literaturverzeichnis werden die Quellen in alphabetischer Reihenfolge nach dem Nachnamen des ersten Autors sortiert. Bei mehreren Werken desselben Autors wird chronologisch nach Erscheinungsjahr geordnet. So findet sich der Leser schnell zurecht und kann Quellen effizient überprüfen.
4. Trennung von Textbelegen und Literaturverzeichnis
Die deutsche Zitierweise unterscheidet klar zwischen kurzen Quellenangaben im Text (meist Fußnoten oder Klammerbelege) und dem vollständigen Eintrag im Literaturverzeichnis. Im Literaturverzeichnis erscheinen alle Quellen einmalig, mit allen notwendigen Details. Der Textbeleg verweist lediglich auf die entsprechende Quelle im Literaturverzeichnis.
5. Klarheit und Lesbarkeit
Jede Angabe sollte so klar und verständlich wie möglich sein. Abkürzungen, besondere Schriftarten oder unklare Kürzel sollten nur verwendet werden, wenn sie allgemein anerkannt sind. Ziel ist, dass jede Quelle sofort identifizierbar ist, sowohl für den Dozenten als auch für andere Leser.
Aufbau des Literaturverzeichnisses
Das Literaturverzeichnis listet alle Quellen auf, die in der Arbeit verwendet wurden, und macht sie für die Lesenden nachvollziehbar. Die deutsche Zitierweise folgt dabei klaren Regeln, die sowohl die Reihenfolge der Angaben als auch die Formatierung betreffen.
Alphabetische Ordnung
- Alle Einträge im Literaturverzeichnis werden alphabetisch nach dem Nachnamen des ersten Autors sortiert.
- Werke desselben Autors werden chronologisch nach Erscheinungsjahr geordnet, vom ältesten zum neuesten Werk.
- Bei mehreren Autoren mit dem gleichen Nachnamen wird zusätzlich der Vorname berücksichtigt.
Reihenfolge der Angaben
Ein typischer Eintrag im Literaturverzeichnis folgt der folgenden Struktur:
- Autor(en): Nachname, Vorname (bei mehreren Autoren durch Komma trennen, letzter Autor mit „und“).
- Titel der Publikation: vollständig, inklusive Untertitel, kursiv gesetzt.
- Auflage: nur bei nicht-erster Auflage angeben (z. B. „2. Auflage“).
- Erscheinungsort: Stadt, in der das Werk veröffentlicht wurde.
- Verlag: Name des Verlags.
- Erscheinungsjahr: Jahr der Veröffentlichung.
Beispiel
Müller, Anna: Einführung in die Literaturwissenschaft. 3. Auflage. Berlin: Springer, 2021.
Formatierung
Damit das Literaturverzeichnis übersichtlich bleibt, gelten folgende Formatierungsregeln:
- Einrückung: hängender Einzug ab der zweiten Zeile eines Eintrags.
- Zeilenabstand: 1,5-fach oder nach den Vorgaben der Hochschule.
- Schriftart: einheitlich, z. B. Times New Roman oder Arial, Größe 12 pt.
- Punkte und Kommas sorgfältig setzen. Jeder Punkt und jedes Komma hat seine Funktion und sollte nicht weggelassen werden.
Besonderheiten bei mehreren Autoren
- Zwei Autoren: Nachname, Vorname und Nachname, Vorname
- Drei oder mehr Autoren: Nachname, Vorname et al. kann je nach Vorgabe genutzt werden, ansonsten alle Autoren auflisten
- Herausgeberwerke: Name des Herausgebers gefolgt von „(Hrsg.)“
Beispiel
Schneider, Peter (Hrsg.): Grundlagen der Pädagogik. München: Oldenbourg, 2019.
Alle Einträge müssen einheitlich formatiert sein: gleiche Schriftart, gleiche Abstände, gleiche Reihenfolge der Informationen. Inkonsistenzen wirken unprofessionell und können die Bewertung der Arbeit negativ beeinflussen.
Quellenarten und ihre korrekte Angabe
Ein korrektes Literaturverzeichnis zeichnet sich nicht nur durch Einheitlichkeit aus, sondern auch durch die präzise Zuordnung der verschiedenen Quellenarten. Je nach Art der Quelle unterscheiden sich die Angaben leicht, damit Leser:innen die Herkunft eindeutig nachvollziehen können. Im Folgenden erklären wir, wie Bücher, Zeitschriftenartikel, Internetquellen und sonstige Quellen korrekt nach der deutschen Zitierweise angegeben werden.
Bücher
Das Buch (die Monografie) ist der Standardfall. Die zwingend erforderlichen Bausteine für dein Verzeichnis sind: Nachname, Vorname, Titel des Werkes, gegebenenfalls die Auflage, Erscheinungsort, Verlag und das Erscheinungsjahr.
Achte besonders darauf, unselbstständige Angaben nicht zu vergessen. Den Verlag wegzulassen, ist ein typischer Anfängerfehler in der deutschen Zitierweise.
Buch (Monografie)
Müller, Thomas: Die Psychologie der Heimarbeit. Ein Leitfaden für Teams. 3. Aufl., Berlin: Wissenschaftsverlag, 2023.
Achte im obigen Beispiel auf die Zeichensetzung. Zwischen Nach- und Vorname steht ein Komma. Der Autor und der Buchtitel sind meist durch einen Doppelpunkt (oder Komma) getrennt. Den Buchtitel formatierst du zur besseren Übersicht oft kursiv. Zwischen Verlagsort und Verlag steht häufig ein Doppelpunkt.
Zeitschriftenartikel
Zeitschriftenartikel (Paper) sind sogenannte unselbstständige Literatur. Sie stehen nicht für sich allein im Regal, sondern sind in ein größeres Journal gedruckt. Daher musst du immer kenntlich machen, dass dein Text in einem größeren Werk erschienen ist.
Besonders kritisch für die Auffindbarkeit sind der Jahrgang (Volume) und die Heftnummer (Issue). Eine Fachzeitschrift erscheint oft über Jahrzehnte. Nur mit Heftnummer und Jahrgang kann die genaue gedruckte Ausgabe im Bibliotheksarchiv gefunden werden.
Artikel im Journal
Schmidt, Anna: Auswirkungen von digitalen Kommunikationspausen. In: Zeitschrift für Arbeitspsychologie, Jg. 45, Heft 3, 2022, S. 112 - 128.
Wie du an dem Beispiel siehst, musst du am Ende zwingend den exakten Seitenbereich angeben, auf dem der Artikel abgedruckt ist (von der ersten bis zur letzten Seite). Verwende hierfür einen Bis-Strich ( - ), keinen einfachen Bindestrich (-).
Internetquellen
Webseiten verändern sich täglich. Der Link, den du heute zitierst, könnte morgen bereits offline sein. Genau aus diesem Grund ist die zwingende Angabe des letzten Abrufdatums deine Versicherung gegen den Vorwurf schlampiger Recherche.
Häufig fehlen bei Webtexten offizielle Publikationsdaten oder Titel. Nutze in diesem Fall den Titel der Unterseite als Werktitel und setze die Abkürzung "o. J." (ohne Jahr), falls kein Veröffentlichungsdatum auf der Seite oder im Quellcode zu finden ist.
Internetquelle
Weber, Jan: Resilienzstrategien am heimischen Schreibtisch. In: Psychologie und Arbeit Blog, 15.05.2023. URL: https://www.beispiel-blog.de/resilienz (abgerufen am 12.10.2023).
Verlasse dich nicht darauf, dass eine Website bis zur Korrektur deiner Arbeit online bleibt. Speichere dir jede zitierte Webseite über die Druckfunktion deines Browsers als PDF ab. Auf Anfrage deines Prüfers kannst du diese PDF-Beweise jederzeit nachreichen.
Sonstige Quellen
Manchmal stützt du deine Argumentation auf Material, das weder klassisches Buch noch Artikel ist. Typische Sonderfälle verlangen oft leicht abweichende Formate.
- Gesetzestexte: werden im Fließtext oft nur mit Paragraf und Abkürzung zitiert (Gegenstand, § X, Abs. Y, Z-Gesetz). Ins Literaturverzeichnis kommen sie in den meisten Fakultäten gar nicht, es sei denn, du studierst Jura.
- Interviews: selbst geführte Interviews gehören meist in den Anhang deiner Arbeit. Verweise im Text auf den Anhang (z. B. Vgl. Anhang B, Zeile 45).
- Graue Literatur: unveröffentlichte Studien, interne Firmenberichte oder Vorlesungsskripte verlangen eine klare Kennzeichnung als unveröffentlicht.
Graue Literatur
Bundesverband der Krankenkassen: Interner Report über krankheitsbedingte Ausfälle im ersten Quartal. Unveröffentlichtes Arbeitspapier, Berlin, 2022.
Wenn du eine juristische oder sehr gesetzesspezifische Arbeit schreibst, verlangen Lehrstühle in der Regel ein separates Quellenverzeichnis. Hier trennst du dann streng zwischen dem Literaturverzeichnis (Bücher, Aufsätze) und einer extra Liste für Gesetze und Gerichtsentscheidungen (Rechtsprechungsverzeichnis).
Fazit und abschließende Gedanken
Ein Literaturverzeichnis nach der deutschen Zitierweise mit Fußnoten ist mehr als nur eine Pflichtaufgabe. Es ist ein Zeichen wissenschaftlicher Sorgfalt und Professionalität. Es ermöglicht den Lesenden, Quellen schnell nachzuvollziehen, stärkt die Glaubwürdigkeit der eigenen Arbeit und schützt vor Plagiatsvorwürfen. Wer die deutsche Zitierweise beherrscht, erleichtert sich nicht nur die eigene Arbeit, sondern hinterlässt auch bei Dozent:innen und Prüfer:innen einen positiven, bleibenden Eindruck.

Als Doktorin der Philosophie verfügt Dr. Schäfer über tiefgehende Kenntnisse in der Formatierung und Strukturierung wissenschaftlicher Arbeiten. Sie erstellt praxisnahe Anleitungen, Beispieltexte und Vorlagen, die Studierenden und Akademikern dabei helfen, ihre Arbeiten optimal an akademische Standards und Zitierregeln anzupassen.
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