Interview richtig zitieren: Anleitung & Beispiele

Wenn du in deiner Haus- oder Abschlussarbeit Experteninterviews verwendest, musst du dieses Interview als Quelle angeben. Sie beweist, dass du nicht einfach Behauptungen aufstellst, sondern dich auf reale Forschungsdaten stützt. Gleichzeitig ermöglicht sie es deinen Prüfern, deine Aussagen nachzuprüfen und deine wissenschaftliche Sorgfalt zu bewerten.

Ein vollständiger Quellenverweis besteht dabei immer aus drei zentralen Elementen: dem Namen der interviewten Person (oder einem Pseudonym), dem Datum des Gesprächs und der genauen Fundstelle, wie etwa einer Zeilennummer im Transkript. Fehlt eines dieser Elemente, verliert dein Beleg an Glaubwürdigkeit.

Wie zitiert man ein Interview?

Bevor du dein Experteninterview zitierst, musst du wissen, welchen Zitierstil dein Institut vorschreibt. Die gängigen Richtlinien unterscheiden sich deutlich in ihrer Formatierung und darin, wo genau die Quelle angegeben wird.

ZitierstilVerweis im TextLiteraturverzeichnis
APA (7. Auflage)(Name, Jahr) direkt im Satz.Eintrag nur bei veröffentlichten Interviews.
Harvard-Zitierweise(Name Jahr: Seitenzahl/Zeile).Vollständiger Eintrag am Ende der Arbeit.
Deutsche ZitierweiseVgl. Name, Jahr, S. X (in der Fußnote).Vollständiger Eintrag am Ende der Arbeit.

Ein grundlegender Unterschied besteht zwischen dem Kurzbeleg im Text und dem Vollbeleg im Literaturverzeichnis. Der Verweis im Text dient als schneller Hinweis für den Leser, direkt an der Stelle, wo du das Interview erwähnst. Das Literaturverzeichnis hingegen liefert alle bibliografischen Details, um die Quelle eindeutig aufzufinden.

Formale Besonderheit

Unveröffentlichte, selbst geführte Interviews tauchen in vielen Zitierstilen (wie APA) nicht im Literaturverzeichnis auf. Sie werden stattdessen als persönliche Kommunikation im Text zitiert oder in einem separaten Quellenverzeichnis für den Anhang gelistet.

Eigenes Interview zitieren

Wenn du für deine empirische Arbeit selbst Experteninterviews durchgeführt hast, gelten besondere Spielregeln. Da diese Gespräche nirgendwo öffentlich zugänglich sind, bist du selbst für die Dokumentation verantwortlich.

Um die Überprüfbarkeit deiner Ergebnisse zu garantieren, ist ein vollständiges Transkript absolute Pflicht. Du musst das aufgenommene Gespräch Wort für Wort abtippen, idealerweise unterstützt durch eine Transkriptionssoftware wie f4transkript oder MAXQDA. Nur so können deine Prüfer nachvollziehen, ob du die Aussagen des Experten korrekt interpretiert hast.

Nachfolgend siehst du, wie du ein selbst geführtes Interview im Fließtext nach den APA-Richtlinien einbindest. Achte darauf, wie die genaue Fundstelle markiert wird.

Beispiel: Verweis auf ein eigenes Interview im Fließtext

"Die Umstellung auf reine Heimarbeit führte bei vielen Mitarbeitern zu einer Verschwimmung von Berufs- und Privatleben" (Weber, 2023, Z. 45-47).

Nutze in deinem Transkriptionstool unbedingt die Funktion für automatische Zeilennummern. Zeilennummern (z. B. "Z. 14") sind beim Zitieren von Textdokumenten viel präziser und leserfreundlicher als Zeitstempel (z. B. "Min. 12:04"). Zeitstempel solltest du nur verwenden, wenn du direkt auf eine Audio- oder Videodatei verweist, die nicht transkribiert wurde.

Interview steht im Anhang

Da selbst geführte Interviews in der Regel nicht im klassischen Literaturverzeichnis landen, musst du deine Leser direkt zum Anhang deiner Arbeit leiten. Der Anhang ist der Ort, an dem du alle deine vollständigen Transkripte sicher ablegst.

Wenn du im Text auf eine Aussage verweist, nennst du nicht nur den Namen des Interviewpartners, sondern gibst ganz konkret das jeweilige Dokument im Anhang an. Das erspart deinen Prüfern langes Suchen.

Hier ist ein Beispiel, wie ein solcher direkter Verweis auf den Anhang aussehen kann, um maximale Transparenz zu schaffen.

Beispiel: Textverweis auf das Transkript im Anhang

Wie der Experte betont, erfordert die Führung auf Distanz völlig neue Kommunikationsstrategien (vgl. Experteninterview 1, Anhang B, Z. 112-115).

Damit der Verweis reibungslos funktioniert, musst du deinen Anhang streng formal strukturieren. Halte dich an folgende Formatierungsregeln:

  • Eindeutige Benennung: gib jedem Transkript einen klaren Titel (z. B. "Anhang A: Transkript Interview Dr. Weber").
  • Durchgehende Zeilennummerierung: füge am linken Seitenrand Zeilennummern ein, die sich über das gesamte Dokument erstrecken.
  • Anhangsverzeichnis: erstelle ein separates Inhaltsverzeichnis nur für den Anhang, das direkt nach dem Literaturverzeichnis platziert wird.

Persönliche Kommunikation zitieren

Manchmal beziehst du Informationen nicht aus einem formellen Experteninterview, sondern aus einer E-Mail, einem Telefonat oder einem informellen Gespräch. In der Wissenschaft fasst man diese Quellen unter dem Begriff der "persönlichen Kommunikation" zusammen.

Nach den gängigen APA-Richtlinien erhält persönliche Kommunikation keinen Eintrag im Literaturverzeichnis. Die Quelle ist für Dritte nicht öffentlich zugänglich oder reproduzierbar. Du belegst diese Informationen stattdessen ausschließlich im fließenden Text oder in einer Fußnote.

Das folgende Beispiel demonstriert, wie du ein solches informelles Gespräch korrekt im Text kennzeichnest.

Beispiel: Zitat als persönliche Kommunikation (APA)

Die internen Umfragen des Unternehmens zeigten einen deutlichen Anstieg der Mitarbeiterzufriedenheit nach der Einführung flexibler Arbeitszeiten (T. Weber, persönliche Kommunikation, 14. Mai 2023).

Obwohl die offiziellen APA-Regeln keinen Eintrag im Literaturverzeichnis vorsehen, verlangen einige deutsche Lehrstühle explizit ein separates "Verzeichnis für persönliche Kommunikation". Prüfe unbedingt den Leitfaden deines Instituts, um Punktabzüge zu vermeiden.

Anonyme Interviews zitieren

In vielen empirischen Arbeiten musst du die Identität deiner Interviewpartner schützen. Die Anonymisierung ist zwingend erforderlich, wenn du sensible Daten erhebst, Geschäftsgeheimnisse diskutierst oder deine Gesprächspartner durch eine Vertraulichkeitsvereinbarung (NDA) abgesichert sind.

Um die Anonymität zu wahren, ersetzt du den echten Namen durch einen systematischen Platzhalter oder ein Pseudonym. Wichtig ist, dass du dieses System in deiner gesamten Arbeit konsistent durchhältst.

So sieht ein korrekter Verweis im Text aus, wenn du die Identität deines Experten verschleiern musst.

Beispiel: Platzhalter für anonyme Interviews

Die Sorge vor sozialer Isolation im Homeoffice wird von Führungskräften oft unterschätzt (Interviewpartner A, 2023, Z. 88-90).

Auch das Transkript im Anhang muss bereinigt werden. Du musst nicht nur den Namen schwärzen, sondern auch alle Rückschlüsse auf die Person entfernen, wie etwa spezifische Abteilungsnamen oder konkrete Ortsangaben.

Veröffentlichtes Interview zitieren

Nicht jedes Interview führst du selbst. Oft greifst du auf publizierte Interviews aus Zeitungen, Fachzeitschriften, Podcasts oder YouTube-Videos zurück. Da diese Quellenangaben für jeden Leser öffentlich zugänglich sind, behandelst du sie wie ganz normale Literaturquellen.

Je nach Medium unterscheiden sich die Angaben, die du für einen vollständigen Beleg benötigst. Hier ist eine Übersicht der wichtigsten Medienformate und ihrer Besonderheiten:

  • Print- und Textmedien.
    Bei Interviews in Zeitungen oder Magazinen gibst du den Autor des Artikels (oft der Interviewer), das Publikationsdatum, den Titel des Beitrags und die Seitenzahlen an.
  • Audioformate (Podcasts/Radio).
    Hier nennst du den Host als Autor. Wichtig ist die Angabe der genauen Episode und der Plattform, auf der der Podcast veröffentlicht wurde.
  • Videoformate (YouTube/TV).
    Behandle den Kanalbetreiber oder den Sender als Urheber. Gib zusätzlich die exakte URL an, unter der das Video abrufbar ist.

Das folgende Beispiel zeigt dir den kompletten Eintrag eines veröffentlichten Text-Interviews im Literaturverzeichnis nach APA-Standard.

Beispiel: Eintrag im Literaturverzeichnis (veröffentlichtes Interview)

Müller, J. (2023, 15. Mai). Warum Homeoffice die Psyche belastet [Interview mit T. Weber]. Fachmagazin für Arbeitspsychologie. https://www.beispielurl.de/interview-weber

Wenn du aus Audio- oder Videoformaten zitierst, hast du keine Seitenzahlen oder Zeilennummern. In diesem Fall bist du verpflichtet, im Textverweis genaue Zeitstempel (z. B. Min. 14:20 - 15:05) anzugeben, damit der Leser die zitierte Stelle im Video oder Podcast sofort findet.

Fazit und abschließende Gedanken

Das korrekte Zitieren von Interviews ist kein Hexenwerk, wenn du die grundlegende Unterscheidung zwischen selbst geführten und veröffentlichten Gesprächen verstanden hast. Eigene Interviews gehören transkribiert in den Anhang, während veröffentlichte Interviews wie reguläre Quellen im Literaturverzeichnis landen.

Ein sauberes Transkript mit klaren Zeilennummern ist dein bestes Werkzeug, um präzise zu zitieren und deine wissenschaftliche Sorgfaltspflicht zu erfüllen. Achte stets auf eine lückenlose Dokumentation, besonders wenn du Daten anonymisieren musst.

Sprich rechtzeitig mit deinem Betreuer. Da viele Lehrstühle eigene, spezifische Richtlinien für den Umgang mit Experteninterviews und persönlicher Kommunikation haben, schützt dich eine kurze Absprache vor unnötigen Formfehlern und Punktabzügen.