Wenn du in deiner Hausarbeit oder Thesis fremdsprachige Literatur verwendest, gelten klare Grundregeln. Bei indirekten Übernahmen (Paraphrasen) fasst du den fremdsprachigen Text einfach in deinen eigenen deutschen Worten zusammen. Du behandelst diese Stellen genau wie jede andere deutsche Quelle auch. Direkte Übernahmen (wörtliche Zitate) erfordern jedoch eine bewusste Entscheidung. Entweder übernimmst du das Zitat exakt in der Originalsprache, oder du fertigst eine eigene, präzise Übersetzung an.
Egal für welchen Weg du dich entscheidest, die inhaltlichen Vorgaben bleiben streng. Du musst den ursprünglichen Sinngehalt der Quelle absolut verfälschungsfrei wiedergeben. Zudem ist maximale Transparenz gefordert. Deine Prüfer müssen jederzeit erkennen können, ob es sich um den Originalwortlaut oder um deine eigene sprachliche Interpretation handelt.
Inhaltsverzeichnis
Zitate übersetzen vs. in der Originalsprache angeben
Darf man Zitate übersetzen? Eine eigene Übersetzung ist zwingend erforderlich, wenn du nicht davon ausgehen kannst, dass deine Prüfer die Originalsprache beherrschen. Sprachen wie Spanisch, Italienisch oder Japanisch solltest du grundsätzlich übersetzen, um das Verständnis deiner Argumentation nicht zu gefährden.
| Kriterium | Originalsprache belassen | Eigene Übersetzung anfertigen |
|---|---|---|
| Lesefluss | Wird durch den Sprachwechsel unterbrochen. | Bleibt harmonisch und flüssig. |
| Genauigkeit | 100 % authentischer Wortlaut. | Gefahr von leichten Bedeutungsverschiebungen. |
| Aufwand | Gering (nur abtippen). | Hoch (Fachbegriffe müssen recherchiert werden). |
Die Entscheidung für die Originalsprache bringt spezifische Vor- und Nachteile mit sich:
- Authentizität der Aussage.
Du vermeidest das Risiko, komplexe theoretische Konzepte durch eine ungenaue Übersetzung zu verfälschen. - Wissenschaftliche Präzision.
Bestimmte Fachtermini lassen sich oft nicht verlustfrei in eine andere Sprache übertragen.
- Verständnisbarriere.
Wenn der Prüfer die Sprache nicht spricht, verliert dein Argument an Überzeugungskraft. - Stilistischer Bruch.
Ständige Sprachwechsel stören den akademischen Lesefluss erheblich.
Muss man englische Zitate übersetzen? Englische Fachliteratur bildet eine große Ausnahme. Da Englisch die internationale Wissenschaftssprache ist, wird an deutschen Hochschulen vorausgesetzt, dass Prüfer englische Texte problemlos verstehen. Zitiere englische Quellen daher in der Regel im Original, es sei denn, dein Lehrstuhl gibt explizit etwas anderes vor.
Beispiel: Umgang mit einer französischen soziologischen Quelle
Originalsprache:
Das Konzept wird direkt übernommen: "Le capital culturel peut exister à l'état incorporé" (Bourdieu, 1979, S. 3).
Übersetzung:
Du übersetzt für das deutsche Publikum: "Kulturelles Kapital kann in inkorporiertem Zustand existieren" [eigene Übersetzung] (Bourdieu, 1979, S. 3).
Quellenverweis und Quellenangabe für übersetzte Zitate
Wenn du dich für eine eigene Übersetzung entscheidest, musst du diese handwerkliche Leistung transparent machen. Jedes wörtliche Zitat, das du selbst in die deutsche Sprache übertragen hast, muss den deutlich sichtbaren Zusatz "eigene Übersetzung" (oder eine vom Zitationsstil geforderte Variante) enthalten. Nutze dafür eckige Klammern, um zu signalisieren, dass dieser Hinweis von dir als Verfasser stammt und nicht Teil des Originaltextes ist.
Im Literaturverzeichnis am Ende deiner Arbeit ändert sich durch deine Übersetzung nichts an den grundlegenden Pflichtangaben. Du dokumentierst die Quelle exakt so, wie sie publiziert wurde:
- Den Namen des ursprünglichen Autors.
- Das Erscheinungsjahr der fremdsprachigen Publikation.
- Den Titel des Werkes in der Originalsprache (übersetze den Titel im Literaturverzeichnis nicht).
- Die vollständigen Publikationsdaten (Verlag, Ort, DOI etc.).
Um maximale wissenschaftliche Transparenz zu gewährleisten, arbeiten viele Studierende zusätzlich mit Fußnoten. Wenn du ein übersetztes Zitat in deinen Fließtext einbaust, setzt du eine Fußnote an das Ende des Satzes. In der Fußnote selbst platzierst du dann den exakten Wortlaut der fremdsprachigen Originalquelle. So ermöglichst du es deinen Prüfern, deine Übersetzungsleistung sofort und ohne zusätzliche Recherche zu überprüfen.
Kurz & knackig
Nutze Übersetzungstools wie DeepL nur für den ersten Grobentwurf. Gleiche danach zwingend die Fachbegriffe mit bereits publizierten deutschen Übersetzungen des jeweiligen Autors ab, um die akademische Terminologie korrekt zu treffen.
APA-Zitierweise
Nach den offiziellen Vorgaben der APA (American Psychological Association) wird eine eigene Übersetzung nicht als wörtliches Zitat, sondern als Paraphrase bewertet. Du setzt den übersetzten Text nicht in Anführungszeichen. Um dennoch transparent zu arbeiten, verlangen viele deutsche Universitäten in Kombination mit APA den Hinweis auf die Übersetzung direkt im Textverweis.
- Autor und Jahr: werden wie gewohnt in runden Klammern am Ende des Satzes oder integriert im Text genannt.
- Seitenzahl: obwohl es formell eine Paraphrase ist, solltest du bei APA die genaue Seitenzahl angeben, um das Auffinden der Originalstelle zu erleichtern.
- Übersetzungshinweis: wird in eckigen Klammern direkt nach dem übersetzten Text oder innerhalb der runden Klammern platziert.
Sehen wir uns das an einem konkreten Fall an.
Beispiel: Eigene Übersetzung nach APA-Richtlinien
Kulturelles Kapital kann in inkorporiertem Zustand existieren [eigene Übersetzung] (Bourdieu, 1979, S. 3).
Harvard-Zitierweise
Der Harvard-Stil ist ein Autor-Jahr-System, das direkt im Fließtext angewendet wird. Wenn du ein Zitat selbst übersetzt, behandelst du es im Harvard-System weiterhin als direktes Zitat. Du verwendest Anführungszeichen für den übersetzten Text. Die Besonderheit liegt hier in der Platzierung des Hinweises. Du fügst den Vermerk "eigene Übersetzung" entweder in eckigen Klammern direkt in das Zitat ein oder hängst ihn in der runden Quellenangabe an.
Hier ist ein Beispiel für die korrekte Umsetzung im Fließtext.
Beispiel: Eigene Übersetzung im Harvard-Stil
"Kulturelles Kapital kann in inkorporiertem Zustand existieren" (Bourdieu 1979, S. 3, eigene Übersetzung).
Deutsche Zitierweise
Die Deutsche Zitierweise verbannt die Belege aus dem Fließtext und arbeitet stattdessen mit Fußnoten. Dies bietet dir den perfekten Raum, um elegant fremdsprachige Zitate zu übersetzen. Im Haupttext präsentierst du ausschließlich deine flüssige, deutsche Übersetzung in Anführungszeichen. Die eigentliche Quellenarbeit findet am unteren Seitenrand statt.
- Im Fließtext: die Platzierung des übersetzten Zitats in doppelten Anführungszeichen, gefolgt von der hochgestellten Fußnotenziffer.
- In der Fußnote: vollständiger oder buchstäblicher Kurzbeleg der Quelle, gefolgt von dem Zusatz "Original:" und dem fremdsprachigen Text in Anführungszeichen.
So sieht das in deiner wissenschaftlichen Arbeit aus.
Beispiel: Eigene Übersetzung mit Fußnoten (Deutsche Zitierweise)
Im Fließtext:
"Kulturelles Kapital kann in inkorporiertem Zustand existieren."¹
In der Fußnote:
¹ Bourdieu, 1979, S. 3. Original: "Le capital culturel peut exister à l'état incorporé."
MLA-Zitierweise
Die MLA-Zitierweise (Modern Language Association) ist besonders in den Sprach- und Literaturwissenschaften verbreitet. Sie nutzt im Fließtext ein sehr minimalistisches System, das nur aus dem Nachnamen des Autors und der Seitenzahl besteht, ganz ohne Komma. Wenn du eine Quelle übersetzt, fordert MLA, dass du diese Information direkt in der Klammer des Quellennachweises unterbringst. Verwende hierbei oft die Formulierung "meine Übersetzung" oder "eigene Übersetzung".
Betrachten wir die genaue Formatierung für diesen Zitationsstil.
Beispiel: Eigene Übersetzung nach MLA
"Kulturelles Kapital kann in inkorporiertem Zustand existieren" (Bourdieu 3, eigene Übersetzung).
Fazit und abschließende Gedanken
Der Umgang mit fremdsprachigen Quellen erfordert Sorgfalt, ist aber mit den richtigen Techniken problemlos zu meistern. Englische Texte bleiben meist im Original, während du andere Sprachen für deine Prüfer übersetzen solltest. Wichtig ist allein die absolute Transparenz, damit jederzeit klar ist, welche sprachliche Leistung von dir und welche vom ursprünglichen Autor stammt.
Entscheide dich zu Beginn deiner Arbeit für eine Methode (z. B. den Zusatz "eigene Übersetzung" in eckigen Klammern) und ziehe diese exakt so durch das gesamte Dokument. Ein ständiger Wechsel zwischen verschiedenen Schreibweisen verwirrt die Leser und führt zu unnötigem Punktabzug in der formalen Bewertung.
Lena Richter ist für die Lehre und Forschung im Bereich der Naturwissenschaften verantwortlich. Sie unterrichtet Studierende in verschiedenen naturwissenschaftlichen Disziplinen, betreut und führt eigenständige Forschungsprojekte durch und trägt zur wissenschaftlichen Weiterentwicklung ihres Fachgebiets bei. Zudem ist sie in die Verfasser von wissenschaftlichen Publikationen und die Präsentation von Forschungsergebnissen auf nationalen und internationalen Konferenzen eingebunden. Sie sorgt für den Transfer von theoretischem Wissen in die praktische Anwendung und ist maßgeblich an der Weiterentwicklung von Lehrinhalten und Forschungsschwerpunkten beteiligt.
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