Was macht eine qualitative Inhaltsanalyse aus?


Was macht eine qualitative Inhaltsanalyse aus?
Mit einer qualitativen Inhaltsanalyse werden Daten ausgewertet, die aus verschiedenen Quellen stammen können. Die jeweils verwendeten Interviews können aus Zeitungsartikeln stammen, aus Fernsehbeiträgen oder Texten  verschiedener Autoren. Die qualitative Inhaltsanalyse dient dazu, menschliches Verhalten zu verstehen. Die Erklärung des Verhaltens steht dabei nicht im Fokus. Die einmal gewählte Technik für die Vorgehensweise ist unbedingt beizubehalten.

Vorgehensweise qualitativer Inhaltsanalyse

  • Festlegung des Materials
  • Analyse der Entstehungssituation
  • Formale Charakterisierung des Materials
  • Festlegung der Analyserichtung
  • Theoretische Differenzierung der Fragestellung
  • Bestimmung der Analysetechniken
  • Definition der Analyseeinheit
  • Durchführung der Materialanalyse
  • Interpretation der Ergebnisse


Material für die Thesis nutzen

Um eine Forschungsfrage beantworten zu können, müssen sich Studierende zunächst einen Überblick über das Material verschaffen. Die Anforderung ist hoch, deshalb ist eine vernünftige Zeitplanung wichtig. Bei der Recherche ist es hilfreich, das Material gleich zu Beginn in Kategorien einzuteilen. Um Plagiate zu vermeiden, ist es unbedingt erforderlich, alle übernommenen Daten sorgfältig den jeweiligen Quellen zuzuordnen. Andernfalls riskiert der Studierende einen Plagiatsvorwurf. Das Vorgehen, Quellen von Anfang an zu vermerken, hat sich deshalb bewährt. Besondere Sorgfalt ist erforderlich, wenn die Quellen in englischer Sprache verfasst sind und erst übersetzt werden müssen. Wer sich nicht absolut sicher ist, die Quelle richtig übersetzt zu haben, sollte sich in Absprache mit den Lehrkräften Hilfe holen. Da englischsprachige Literatur in vielen Studiengängen eine wichtige Rolle spielt, empfiehlt sich für Studienanfänger die Belegung von Englischkursen im jeweiligen Fachbereich. 


Welche Bedingungen müssen die verwendeten Quellen erfüllen?

Alle verwendeten Materialien müssen: 
  • Relevant
  • Authentisch
  • Repräsentativ
  • Glaubwürdig
sein. Das Material muss aber auch geeignet sein, die Forschungsfrage zu beantworten. Außerdem muss der Studierende darauf achten, dass der rote Faden in der Arbeit nicht abreißt. Denn wer mit aufwendig recherchierten Quellen weniger relevante Fragen umfangreich beantwortet, riskiert Punktabzug. Kann der Studierende nach gründlicher Sichtung der Unterlagen bejahen, dass die Quellen geeignet sind, beginnt der nächste Schritt.  


Was sind die Gütekriterien der qualitativen Inhaltsanalyse?

Damit die Gütekriterien erfüllt sind, muss die qualitative Inhaltsanalyse valide und reliabel sein. Damit ist die Inhaltsanalyse nachvollziehbar. Weitere Arbeiten und Recherchen müssten zwangsläufig zum selben Ergebnis führen. Dabei sollten sich Studierende bewusst sein, wo weitere Fehlerquellen liegen könnten. Dazu gehört vor allem die allgemeine Kritik, dass die qualitative Inhaltsanalyse vor allem von der mutmaßlich subjektiven Haltung des Verfassers geprägt ist , die nicht immer die Schlussfolgerung der erfassten qualitativen Daten sein muss.
Deshalb muss der Verfasser darauf achten, die Quellen nicht passend zur bereits gefassten Meinung zu suchen, sondern bei der Recherche stets die Forschungsfrage im Fokus zu halten. Andernfalls ist der Gewinn für die wissenschaftliche Erkenntnis gefährdet. Das unterscheidet die qualitative auch von der quantitativen Inhaltsanalyse, bei der eine größere Menge von Material zur Verfügung steht. Um dem möglichen Vorwurf einer subjektiven Meinung zu begegnen, sollte der Verfasser auch darauf achten, mögliche Zusammenhänge zwischen den Daten zu erkennen und darzustellen.


Die Planung und Durchführung

Es empfiehlt sich, die Arbeitsschritte vor Beginn einzuteilen. Das erleichtert die Vorgehensweise und die Zeitplanung. Besonders bewährt hat sich die Mayering-Anleitung, die in insgesamt 12 Schritten die Vorgehensweise festlegt. Sie beginnt mit der Festlegung des Materials und endet mit der Prüfung der Güte der Inhaltsanalyse. Auch in den Zwischenschritten ist die Mayering-Anleitung hilfreich, denn sie setzt die Arbeitsschritte in die richtige Reihenfolge und hilft so zu verhindern, dass der rote Faden abreißt.


Wie umfangreich darf die Forschungsfrage sein?

Gerade zu Beginn ist es nicht einfach, die Forschungsfrage präzise zu formulieren. Es besteht auch die Möglichkeit, weitere Unterfragen hinzuzufügen, auch wenn sich daraus insgesamt drei oder mehr Fragen ergeben. Die Fragestellung muss feststehen, bevor die Analyse beginnt. Außerdem ist bei der Fragestellung der aktuelle Forschungsstand zu berücksichtigen. Die qualitative Inhaltsanalyse baut auf diesen Erkenntnissen auf. 


Das Kategoriesystem der qualitativen Inhaltsanalyse

Der wichtigste Teil der qualitativen Inhaltsanalyse ist das Kategoriesystem. Der Verfasser muss dazu jede Kategorie und Unterkategorie benennen. Dazu wird jede Kategorie genau beschrieben. So ist es später möglich, die Daten ihrer passenden Kategorie zuzuordnen und voneinander abzugrenzen. Die erkennbare Abgrenzung ist wichtig und untermauert die Trennschärfe. Hier findet sich auch eine mögliche Fehlerquelle, wenn der Verfasser unsicher bei der Zuordnung ist. Typisch ist, dass eine Textstelle nicht eindeutig zugeordnet werden kann, weil sie genau genommen in mehrere Kategorien passt. Wenn das deutlich wird, muss der Verfasser seine Kategorien überarbeiten, bis die Trennschärfe wieder gegeben ist. Darauf zu verzichten, hat zur Folge, dass die Interpretation der Ergebnisse schwierig bis ungenau wird. Das führt dazu, dass der Studierende am Ende der Arbeit feststellt, dass er am Anfang ungenau gearbeitet hat und die Aufgabe nicht beenden kann. Deshalb braucht das Kategoriesystem größtmögliche Beachtung, und zwar von Anfang an. 


Was kann eine qualitative Inhaltsanalyse noch leisten?

Für den Studierenden ist die qualitative Inhaltsanalyse eine große Herausforderung. Sie ist aber auch eine Chance, die Fähigkeit zum wissenschaftlichen Arbeiten unter Beweis zu stellen und dank systematischer Vorgehensweise einen Beitrag zur Forschung zu leisten. Dabei sollte der Studierende am Ende kritisch prüfen, ob er in jedem Abschnitt valide und reliabel gearbeitet hat. Außerdem muss die Trennschärfe der Kategorien klar erkennbar sein. Sind die gewählten Textstellen auch wirklich geeignet, um eine Interpretation zuzulassen, ist ebenfalls eine Frage, die sich ohne Zweifel beantworten lassen muss. 


Das ist zum Abschluss zu beachten

Eine der Grundvoraussetzungen für das Verfassen einer Thesis ist, dass der Studierende die einschlägige Fachliteratur kennt. Zeigen sich in der Struktur und dem Inhalt der Arbeit Schwächen, die erkennen lassen, dass hier grundsätzliche Lehrmeinungen nicht beachtet wurden, führt das zu erheblichem Punktabzug. Nach Abschluss sollte die Arbeit mit Blick auf den roten Faden und inhaltliche Schwächen gegengelesen werden. Auch Grammatik- und Rechtschreibfehler dürfen nicht vorkommen. Es ist sinnvoll, sich dafür Hilfe zu holen, denn die Erfahrung zeigt, dass mehrmaliges Lesen oft dazu führt, dass der Leser „betriebsblind“ wird und seine eigenen Fehler überliest. Inhaltliche Korrekturen muss der Verfasser allerdings selbst vornehmen. In welchem Umfang Hilfe in Anspruch genommen werden darf, ist mit dem Professor und seinen Mitarbeitern zu klären. Die Auswertung der Interviews benötigt folglich ebenso viel Aufmerksamkeit, wie die Recherche und die Kategorisierung.